Keine Angst, es wird jetzt keine Werbung für eine gewisse Geburtsform oder –position – sondern nur unsere Erfahrung…;-)

Bewusst für Kind(er) entschieden, hatten wir auch die Möglichkeit, uns sehr bewusst vorzubereiten: Einerseits das Normalprogramm wie Geburtsvorbereitungskurs etc., andererseits auf der Suche nach eventuellen Dingen, die bei uns ein bisschen anders laufen werden und müssen.

Zu diesem Zweck besuchten wir einen Geburtsvorbereitungskurs, (bewusst) ohne auf uns irgendwie speziell bei der Anmeldung hinzuweisen. Warum das? Weil wir einerseits der Meinung waren und sind, dass wir gar nicht so speziell sind, andererseits die Befürchtung bestand, dass die Vorwarnung zu einer völlig unnötigen Überspezialisierung uns gegenüber führen könnte.
Zudem befinden wir uns ja in einer inklusiven Gesellschaft, hoch sensibilisiert und tolerant, also gibt’s da sicher kein Problem…;-)

Der einzige Hinweis kam – und so stellen wir AssistentInnen meist vor – bei der Vorstellung beim Kurs, indem wir auf Assistenz aufmerksam machten, dass diese zu ignorieren ist, wir allerdings um ein bisschen Atemluft für diese baten.

Der Kurs selbst verlief unspektakulär: Ich, Jasmin, bekam einiges erklärt, der Rest wurde durch Assistenz erklärt, beschrieben etc.
Ich, Jakob, unterdrückte bewusst die Frage: „Und, wie macht man das mit einer Hand?“: Weil das den Kurs ein bisschen verzögert hätte und mir bewusst war, dass es auf vieles DIE Antwort nicht gab. Stattdessen vereinbarte ich mit der Kursleiterin, dass wir uns mal im Einzelunterricht zusammensetzen, in dem bereits aufgetauchte Fragen erleutert werden konnten.  Sie willigte ein, mit dem Vermerk, dass es DIE Lösungen vielleicht gab, sie diese nicht kennt und bieten könne. Einzige Erfahrung, die sie einbringen konnte, ist die Erfahrung, die durch einen ähnlichen Kurs mit einem Rollstuhlfahrer schon vorhanden war, sie jedoch nicht sicher ist, ob das für mich brauchbar ist.

EXAKT dieser Zugang war es, der uns ins „Geschäft“ kamen lies, denn bezahlte BeraterInnen, die für oftmalige Nicht-Lösungen bezahlt bekamen, kennt man als behinderter Mensch genug. In diesem Einzelkurs erarbeiteten wie Einhanswickeln, Einhandanziehen, Einhand…

Unser erster Sohn kam im September 2011 sechs Wochen zu früh zur Welt. Daher verbrachten wir einige Zeit im Spital.

Die Zeit war geprägt von Fragen, Lösungsvorschlägen und wissenschaftlichem Interesse. Letzteres dürfte daher gerührt sein, dass wir beide (visuell) beeinträchtigt sind. Das Interesse war derart groß, dass es nicht mal half, dass wir einige Male darauf hinwiesen, dass ich, Jasmin, durch einen Geburtsfehler und ich Jakob, durch einen Hydrocephalus mit Folgeschäden beeinträchtigt bin.

Hätte man Standardfragen ernst(er) genommen und deren Antworten auch gehört, hätte man mehrmals hören müssen, dass wir beide keine Erbgründe für die Beeinträchtigungen angaben.

Interessante Beobachtung war auch, dass, je undoktorischer das Personal war, desto eher kamen praktische Tipps und weniger Vorbehalte.

Die heutigen Möglichkeiten des Unmöglichen;-)

Frisch nach der Geburt im September 2011, rauchte ich, Jakob, mit einem anderen Neo-Vater eine Zigarette, währenddessen folgende Dialog entstand:

Neo-Vater: Ich finde das super, was heute schon alles möglch ist.

Ich: Wie meinst du das?

Neo-Vater: Ja, das ihr auch Kinder haben könnt.

Ich: Wie meinst du das? Wer sollte uns daran hintern?

Neo-Vater: Na ja, so einfach ist das mit dem Zeugen nicht. Wie muss das erst für euch gewesen sein…

Ganz anders bei Nr. 2

Im Juli 2014 kam unser zweiter Sohn auf die Welt: Bewusst in keiner universitären Krankenhaus-Nähe.
Dementsprechend alles anders: Im Krankenhaus in der Oststeiermark ging man von Beginn an viel anders, ja normaler, auf uns zu.

Eine Krankenschwester sagte es frei raus: „Ein Kind hob’s scha, wenn wos is, möd’s eich“. Die Fachwelt würde von inklusivem Expressionismus sprechen, wir sagen: „Jo, normal hoit“…

PS: Am 7.12.2016 kommt H wie an der Hand gehen…