Ja, und was ist an dieser Info jetzt neu? …werden sich vor allem diejenigen unter Ihnen jetzt fragen, die selbst Eltern sind.

Auf den ersten Blick ist diese Information natürlich nicht neu, allerdings ist es für blinde und sehbehinderte Menschen doch noch einmal ein bisschen anders. Da es für Babies und Kleinkinder mitunter sogar schädlich sein kann, im Kinderwagen oder Buggy mit Blickrichtung weg von den Eltern zu schauen (siehe http://www.baby-und-familie.de/Ausstattung/Welche-Blickrichtung-im-Buggy-331897.html), scheidet das hinterher ziehen eines solchen auf jeden Fall aus, da dabei ebenfalls kein Blickkontakt zum Kind besteht bzw., auch wenn wir das Kind nicht wirklich direkt anschauen können, kann es zumindest uns anschauen. Was nun? Dafür gibt es nur eine Lösung, die auch für nicht sehbehinderte Menschen oft die einzig richtige ist: nämlich sein Kind zu tragen. Um zu gewährleisten, dass dies auf die richtige Art und Weise geschieht ist es meines Erachtens für blinde Menschen noch unerlässlicher als für sehende, sich dies von einer ausgebildeten Trageberaterin zeigen zu lassen. Vor allem, wenn der tragenden Person das Tragetuch am besten liegt, wie es beispielsweise bei mir, Jasmin, der Fall ist. Sehr lange kannte ich nur eine Bindeweise, um das Kind vor dem Bauch zu tragen und bin, sobald ich lieber auf dem Rücken tragen wollte, auf eine Tragehilfe umgestiegen. Zufrieden war ich mit dieser Lösung nie, da ich auf Grund meiner schmalen Schultern immer Probleme mit sämtlichen Tragehilfen hatte, auch wenn ich am Ende eine gefunden hatte, mit der es zumindest erträglich war, länger zu tragen. Irgendwann beschloss ich dann, mir von einer Trageberaterin mehrere Bindeweisen für das Tragen auch auf dem Rücken und auf der Hüfte zeigen zu lassen, um mein mittlerweile drittes Kind auch noch länger im Tuch tragen zu können. Ich hatte zuvor zwar versucht, mir anhand von Youtube-Videos und textuellen Bindeanleitungen diese Techniken anzueignen, es war mir dann allerdings doch einiges nicht ganz klar und ich wollte auf Nummer Sicher gehen. Nach zwei Stunden fühlte ich mich zumindest so weit sicher, dass ich, wenn ich noch Fragen hatte, der Trageberaterin in einer kurzen Nachricht zu erklären, wie ich vorgegangen bin und wo mein Problem liegt, sodass sie in der Lage war, mir wiederum per Nachricht zu erklären, was ich falsch gemacht hatte oder was der nächste Schritt sein würde.

Mein Fazit aus dieser Erfahrung
Auch wenn ein blinder Elternteil eine sehende Person als Unterstützung dabei hat, sich anhand von Youtube-Videos Trageweisen anzueignen, kann dies eine Trageberaterin nicht ersetzen. Essenziell sind dabei nämlich inder Regel Details, auf die eine sehende Unterstützung aus diversen Gründen, beispielsweise weil sie selbst nicht trägt oder gar keine Kinder hat, gar nicht achtet oder sie einfach nicht erkennt. Da ich mich als blinde Mutter nicht vor den Spiegel stellen kann, um zu prüfen, ob die Rucksack-Trage (Bindeweise auf dem Rücken) richtig sitzt, ist es absolut unerlässlich, dass jeder Handgriff „sitzt“, um das Kind sicher und ergonomisch zu tragen.

PS: Am 21.5.2017 gibt’s „Blindheit sorgt für Bewegung“