Ein beliebter Stehsatz nicht behinderter Menschen: Gut, da brauchst halt ein bisschen länger, aber gehen tut’s (alleine) schon, oder? Meist – zwar nicht ausgesprochener, jedoch hörbar gedachter – Nachsatz: Aber, das macht nix, ihr habt eh Zeit.

Stimmt das mit Kindern auch noch?
Einen möglichen Lösungsansatz, um diese Frage zu beantworten,  ist wieder einmal unsere Lieblingsstatistik – die Zeitverwendungserhebung der Statistik Austria: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/soziales/zeitverwendung/index.html

  • 65 Minuten Essen zubereiten
  • 58 Minuten Backen
  • 33 Minuten Geschirr abwaschen
  • 63 Minuten aufräumen
  • 19 Minuten Müllentsorgung
  • 45 Minuten heizen
  • 28 Minuten suchen
  • 53 Minuten Wäsche waschen
  • 21 Minuten Schuhe putzen
  • 67 Minuten Handarbeiten, Instandsetzen von Bekleidung
  • 67 Minuten Gartenarbeiten, Pflanzenpflege
  • 52 Minuten Gartenarbeiten, Pflanzenpflege
  • 41 Minuten Haushaltsplanung und –organisation

…sind daraus selektiv zitiert Bereiche, die interessant und relevant sind, wenn ich, Jasmin, die Frage beantworten sollte, wo denn die Zeit so hingeht, weil es sich dabei um Tätigkeiten handelt, die aus meiner Sicht relevant gut illustrieren, dieses „Das-geht-ja-eh“…

612 Minuten ergibt die Liste oberhalb.

Ich erlaube mir, mein über 30jähriges (Selbst)Blindenwissen heranzuziehen, und für die einzelnen „Posten“ Multiplikationsfaktoren zu vergeben:

  • Mal 1,5 bei 65 Minuten Essen zubereiten
  • Mal 1,5 bei 58 Minuten Backen
  • Mal 1,5 bei 33 Minuten Geschirr abwaschen
  • Mal 2-2,5 bei 63 Minuten aufräumen
  • Mal 1,5 bei 19 Minuten Müllentsorgung
  • Mal 1 bei 45 Minuten heizen
  • Mal 3 bei 28 Minuten suchen
  • Mal 1,5 bei 53 Minuten Wäsche waschen
  • Mal 2 bei 21 Minuten Schuhe putzen
  • Mal 3 bei 67 Minuten Handarbeiten, Instandsetzen von Bekleidung
  • Mal 2 bei 67 Minuten Gartenarbeiten, Pflanzenpflege
  • Mal 3 bei 52 Minuten Einkaufen
  • Mal 2 bei 41 Minuten Haushaltsplanung und –organisation

Ergibt in Summe 1243,5 Minuten oder das Doppelte für genannte Tätigkeiten.

Sollte nun der Gedanke entspringen, dass ja es blinde Menschen gibt, die da nicht so lange brauchen, zwei Dinge: Einerseits sehr lesenwert dieser Artikel, andererseits: Wie gesagt, es handelt sich um MEINE Erfahrungen mit MIR in MEINEM lebensweltlichen Kontext.

Ja und, was hat das mit Kindern zu tun?
Würde ich mich nicht bei Tätigkeiten unterstützen lassen können, ginge das auf (Zeit)Kosten meiner Kinder, ja meiner ganzen Familie…

Weil das ja (für mich) niemand wollen können will, VORSICHT bitte bei Aussagen „Das geht eh alleine auch – mit ah bisserl mehr Zeit halt“, denn mein Tag hat auch nur 24 Stunden…;-)

Am 15.10.2017 gibt es „(Wie) Lernen unsere Kinder die Uhr?“