Zu diesem Thema sehr, sehr lesenswert der Artikel von Lydia’s Welt: https://lydiaswelt.wordpress.com/2017/07/11/bezahlte-hilfe-oder-soziales-umfeld/

In Ergänzung dazu, erlauben wir uns, hier einige Fragen und Gedanken mit euch zu teilen.

Grundsätzlich stellt aus unserer Sicht Freiwilligenarbeit Fremd- VOR Selbstbestimmung, da der/die Freiwillige am Ende des Tages immer entscheiden wird, ob/wann/wie lange er/sie arbeiten möchte. Zugegeben, Selbstbestimmung, eine so eine Haarspalterei auch. Sorry für den Ausrutscher…

Wenden wir uns den Kindern zu: Im Assistenzkontext von Familien ist – und das ist sicher keine vollständige Liste – aus folgenden Gründen Freiwilligenarbeit abzulehnen:

  1. Es dürfte allgemeiner Konsens darüber bestehen, dass ein stabiles Umfeld für Kinder wichtig ist. Wer das nicht glaubt, hier haben wir bereits den Google-Suchbegriff vorbereitet, viel Spaß beim Feststellen, dass wir Recht haben…;-): https://www.google.de/search?site=&source=hp&q=kinder+stabiles+umfeld&oq=kinder+stabiles+umfeld&gs_l=hp.3…497.8055.0.8406.28.23.5.0.0.0.122.1945.20j3.23.0….0…1.1.64.hp..0.26.1888…0j0i131k1j0i10k1j0i22i10i30k1j0i22i30k1j33i160k1j0i8i13i30k1.F6m8iiz7zeQ Wenn nun gedacht wird, dass die Assistentinnen ja nur Werkzeuge zur Unterstützung von uns sind: Ja, das stimmt, jedoch lässt sich’s nicht vermeiden, dass sie, die Assistentinnen, mit den Kindern zu tun haben: Am Spielplatz, als durch uns angeleitete Unterstützung beim Basteln und und und.. Und daher dürfte es auch einleuchten, dass ständig wechselnde, nicht bezahlte Menschen, nicht der Innbegriff von stabil sein dürften.
  2. Die elterlichen Rechte werden durch diese, die Freiwilligenarbeit massiv eingeschränkt, da es nicht sehr oft möglich sein wird, auszusuchen, wer/was/wann macht. Upps, sorry, schon wieder Selbstbestimmungshaarspalterei…
  3. In Ergänzung zu 2), sei darauf hingewiesen, dass die Einschränkung der Eltern(Rechte) zugleich bei Minderjährigkeit die KINDERRECHTE eingeschränkt werden.
  4. Regelmäßigkeit mit gleichen Personal zu – durch die Eltern – vorgegebene Zeit wird dadurch sehr schwer möglich sein, v. a. an Wochenenden, Feiertagen etc.
  5. Angelehnt an die erwähnten Vorteile von Freiwilligenarbeit unter http://www.visioneers.berlin/single-post/2015/05/04/Die-9-gr%C3%B6%C3%9Ften-Vorteile-von-Freiwilligenarbeit, kann man diese auch hinterfragen: Erfahrung sammeln, Fähigkeiten ausprobieren, ein Gefühl der Erfüllung entwickeln, Einfühlungsvermögen verbessern, Spaß haben – sorry, aber alles Dinge, die in der Unterstützung bei der Wahrnehmung elterlicher Rechte und Pflichten absolut nichts verloren haben.
  6. Zu guter Letzt, und das sagt auch der oben zitierte Artikel sehr schön, geht es sehr oft um die Tendenz, durch die ach so wichtige Freiwilligkeit Dankbarkeit zu erwarten, ja einzufordern. Nein, unsere Kinder und wir sollten nicht dankbar(er) sein müssen als der Rest – das wäre dann nicht sehr gleichberechtigungsfördernd. Einzig dankbar soll in erster Linie das Konto der Assistentinnen sein – wie in jedem anderen Job auch…

Eine Pflichtübung zur Freiwilligenabhängigkeit
Wem oben Gesagtes nicht einleuchtet, folgende Übung:

  • Nehmen Sie eine Familie mit 1-3 Kindern.
  • Entnehmen Sie Ihrem Alltag GRUNDTätigkeiten, die auf jeden Fall sein müssen.
  • Die in 2) gewählte Tätigkeit funktioniert nur, wenn Sie die notwendige Unterstützung haben.
  • Suchen Sie Freiwillige, die bei der in 2) gewählten Tätigkeit zu ihrer Wunschzeit und an ihrem Wunschort unterstützen.
  • Schritt 4) muss mindestens 6 Monate durchgeführt werden, alles andere wäre dem Alltag viel zu fern und enthielte die Gefahr, dass es die ersten Wochen genau zu den oben genannten Dingen rund um die Freiwilligenarbeit führen würde.

 

Nutzen Sie die Kommentarfunktion – wir sind neugierig!

PS: Am 31.12.2017 gibt es „Wie selbstständig sind wir?“