Thema: Freizeit in der Coronazeit?

Und, wie viel Freizeit habt ihr momentan? Mehr? Gleich viel? Keine?

Wir würden vermuten, „Mehr“ wird für  viele stimmen, „gleich viel“ für einige, „Keine“ noch welche stimmen. Eine weitere Möglichkeit wird möglicherweise „andere“ sein, vor allem für jene, die – wie wir – Familie sind: Kinder sind zu Hause, daher ist Schule von zu Hause und auch Arbeit von zu Hause zu erledigen.

Und wann findet diese „andere Freizeit“ statt?
Wenn wir keine Schule oder Arbeit machen.

Und genau um den letzten Zugang geht’s: Wir verstehen, wie auch das Wirtschaftslexikon Gabler, Freizeit als jene Zeit, in der nicht gearbeitet wird (…und daher freier gestaltet werden kann).

Dass diese Meinung offensichtlich nicht alle teilen, zeigen die Stellungnahmen zur Richtlinie Persönliche Assistenz im Burgenland, obschon z. B. „ehrenamtliche Tätigkeiten“ genauso der Förderung wie Arztbesuche unterliegen. Sohin hat eigentlich das Land Burgenland Freizeit „Gablerisch“, gleich wie wir, definiert.

Ändert natürlich nichts daran, dass man darin von „erleichtern“ spricht und sich zu keinem Rechtsanspruch durchgerungen hat.

Die unterschiedlichen Interpretationen von „Freizeit“ wundert uns insoweit, weil die dazugehörige Tätigkeitsbeschreibung auch eher in diese Gabler-Richtung geht.

Diese sinnbefreite Freizeitdefinition gab es auch in der Steiermark: Seit 2011 trägt man jedoch dem ganzheitlichen Freizeitbegriff  durch die Persönliche Assistenz Rechnung.

Dies ist momentan um so wichtiger, weil eine mögliche Zerstückelung in irgendwelche Bereiche auch dazu führt, dass andere Personen andere Tätigkeit tun (dürfen) – und da wären wir beim kontaktvermeidenden Verhalten in der Coronaepoche.

DAS ist jetzt die Zeit, AUCH den Behinderten als Menschen zu sehen. Als Menschen, der im Jahr 8760 bzw. 2020 8784 Stunden lebt. Ob er in dieser Zeit Freizeit, Arbeitszeit, Schlafzeit, Elternzeit oder sonst was macht, geht eigentlich niemanden etwas an – numehr weniger denn je.

Am 17.5.2020 gibt es „Corona und wir – Teil 12“