Was uns nicht betrifft, betrifft uns doch

Wir haben bereits einmal darüber geschrieben, dass es nicht um uns, sondern uns um unsere Kinder geht. Zur darin sperrigen, aber notwendigen, Frage, ein Beispiel.

Würden wir nur für uns sein und z. B. Hilfe bei der Mobilität zu, sagen wir, unserem Fitnessstudio brauchen, wäre es unser Mobilitätsbedarf, den, wenn er sich wiederholt, man vermutlich nicht mit Assistenz abdecken genehmigen würde, sondern mit Mobilitätstraining. Ganz klar, denn die Kriterien dafür wären erfüllt: Selbiger Weg wird öfter gebraucht, also (er)lernt man ihn.

Nichts Anderes ist’s mit den Kindern: Wege, wie z. B. die Musikschule, betreffen uns nicht direkt selbst, aber doch: Denn im Sinne der Aufsichtspflicht wird  man den 4- und 7-Jährigen dorthin begleiten.

Spannend an dieser Frage wäre allerdings: Dürfte ich dafür Mobilitätstraining bekommen oder wäre es nicht möglich, weil es „nicht für mich“ ist. Sehr wahrscheinlich eine gleich haarige Frage, wie es anfangs auch in und bei der Assistenz war, würde bei genauerer juristischer Betrachtung sehr wahrscheinlich eine sehr glatzköpfige Antwort mit sich bringen.

In der Realität ist jedoch diese Frage gar nicht so spannend, weil es mit und bei Kindern fast immer um deutlich kurzfristigeren Wegebedarf geht, der vielleicht gar nicht oft anfällt, weil sich z. B. Interessen ändern und somit Wege wegfallen und somit es nur sehr zweitrangig darum gehen würde, […] sein Leben in seiner gewohnten oder gewählten Umgebung zu führen, […]. Schließlich ist die Umgebung der Kinder auch unsere Umgebung, nur, dass sie sich diese, die Umgebung, aussuchen. Und diese ist im schlimmsten Fall ganz Graz und mehr.
Daher dürfte assistierte Mobilität definitiv billiger sein in diesem Fall: Wege dann zu begleiten, wenn sie anfallen. Fallen diese öfters an, ist es dank guten Grundtrainings gut möglich, diese zu erlernen.

Am 17.3.2019 gibt es „Schule – Teil 6: Behinderte Eltern als Zusatzarbeit in der Schule?“

Mehrkind-Setting, Spielplatz, Freunde und Assistenz

Wir hören und lesen immer wieder, dass blinde und sehbehinderte „Elternkollegen“ davon berichten, mit Freunden auf den Spielplatz zu gehen und diese, die Freunde, beaufsichtigen die Kinder mit.

Schön, wenn man sich das ausredet, warum nicht.

Diese Vorgehensweise hat in folgender – realer – Situation seine Grenze erreicht: Drei Kinder, eines muss aufs Klo.

Im Sinne der natürlichen Beistandspflicht schaut die Freundin inzwischen auf zwei der Kinder. Eh klar.
Mit dem anderen gehe ich, Jasmin, aufs WC – mit der Assistentin, weil ich aufgrund der Spielplatz-Größe nicht (genau) weiss, wo es ist.

Ja, richtig beobachtet, ohne Assistentin müsste sich die Freundin teilen. Da ich hierfür noch keine strafefreie Freunde-Teilungs-Lösung gefunden habe, mache ich es weiterhin so, wie beschrieben.

Ja, auch richtig, gesetzlich wär’s wieder einmal Mobilität.

Nein, für mich ist es keine Option, mich bittend durch den Spielplatz zum WC zu fragen.

Am 10.3.2019 gibt es „Was uns nicht betrifft, betrifft uns doch“

Wie man Kinder um Freu(n)de bringen könnte – mit behinderten Eltern

Es war der 2.3.2018. Da ein Freund unseres älteren Sohnes keine Zeit für Besuch hatte, beschlossen wir spontan, am Nachmittag Jakobs Eltern zu besuchen: Reservierten Auto, packten alles zusammen, Jakob ging zur Arbeit und brachte die Kinder in die Betreuung.

Auf den Weg dorthin bekam ich, Jakob, einen Anruf einer Mutter, ob denn der ältere unserer Söhne nicht Lust hätte, nach dem Kindergarten mitzukommen.

Mist! Wir hatten doch ausgemacht, zu den Eltern von Jakob zu fahren. Wir willigten natürlich ein und holten den Sohn auf dem Weg zu den Eltern ab.

Die Moral der Geschichte? Es wäre, wenn wir nicht die Möglichkeit zur Selbstorganisation hätten,

  • nicht möglich gewesen, spontan in der Früh den Entschluss für den Besuch zu fassen.
  • nicht möglich gewesen, den Nach-Kindergartenbesuch zuzusagen.
  • nicht möglich gewesen, den Großraum „Nachmittag“ für den Elternbesuch festzulegen.

DAS hätte zur Folge gehabt, dass unser Sohn AUFGRUND DER BEHINDERUNG DER ELTERN Freunde hätte nicht treffen können. Und das kann, ja darf, niemand, außer uns, im Familienleben bestimmen.

Dieses Beispiel zeigt wieder einmal sehr alltägtlich, dass die Strecke Unterstützungsnotwendigkeit-Unterstützungsorganisation sehr direkt und kurz sein muss.

Nun gut, ich kann aber auch nicht alles haben
1) Haben Sie einen Führerschein?
2) Haben Sie ein Auto?
Wenn Sie diese Fragen mit JA beantworten können, müssen Sie uns noch erklären, warum das bei uns anders sein soll: Führerschein=Assistenz, Auto=Mietwagen. Alle anderen Teile des Textes sind bei uns und Ihnen vermutlich sehr gleich: (Durch) Kinder (werden) (ändern sich) Pläne (geändert). – Nothing else.

Am 3.3.2019 gibt es „Mehrkind-Setting, Spielplatz, Freunde und Assistenz“.

 

 

Durchziehen statt kommunizieren

Vielleicht ist das eine sehr subjektive Beobachtung von uns: Je mehr wir unsere Vorhaben kommunizieren, desto mehr Helfeshelferhelferhelfer motivieren, akzivieren und mobilisieren wir.

Angenehm? Meistens nicht, denn die Abwehr dieser – meist ziemlich fragmentierten Überlegungen – kosten Zeit, Zeit und nochmals Zeit.

Daher unser Tipp: Planen, überlegen, wen und was man braucht und durchziehen. Das Ergebnis kann man dann eh diskutieren. Und wenn übers Ergebnis (viel) diskutiert wird, ist es ein sicheres Zeichen, dass es der richtige Weg war.

Beispiele für diese radikale Ansicht: Welche Schule ist die Beste? Helfershelferhelfer-Meinung: Odilien-Institut, denn da wird euch geholfen.
Kindergarten: Hm, gute Frage, denn da gibt’s nix Spezielles.

Sowohl Schule, als auch Kindergarten suchten WIR aus, suchten das direkte Gespräch und beide Male war es mehr als eine gute Entscheidung.

Daher: Entscheiden wie jeder andere auch, das an Hilfe organisieren, wenn notwendig einfordern, was notwendig ist.

Natürlich spricht nichts gegen den normalen Erfahrungsaustausch – wenn’s denn dabei bleibt. Denn: letztverantwortlich sind immer wieder wir – als Eltern.

Am 24.2.2019 gibt es „Wie man Kinder um Freu(n)de bringen könnte – mit behinderten Eltern“

Der Schein(€)Papa

Es war der 17.7.2018, als der Sohnemann ES ansprach. Es ging um nichts Geringeres als Geld.

Weil: Es ist ihm aufgefallen, dass „Du Papa immer nur mit Scheine oder Karte zahlst“.

Wo er Recht hat, hat er Recht.

Und warum?
Weil ich diese, die Scheine deutlich besser sehe als die Münzen, das Zahlen mit Karte sowieso mit Abstand die gemütlichere Methode ist – nicht zuletzt, weil man die Rechnung erst einige Tage später präsentiert bekommt…;-)

Am 17.2.2019 gibt es „Durchziehen statt kommunizieren“

 

 

Kind klettert – die Assistentin auch

Es war der 30.7.2018 – da bildete sich der mittlere unserer Söne ein, er muss die Kletterpyramide am Kinderspielplatz bezwingen – das tat er dann auch.

Nur, als er dann oben war, traute er sich nicht mehr alleine herunter. Also habe ich, Jakob, die Assistentin gebeten, Sohnemann beim Auf-den-Boden-kommen zu unterstützen.

Wenn sie nunmehr denken: Gut, geht halt mit diesem Vater nicht, lesen sie bitte folgenden Artikel und denken sie darüber nach, ob SIE von ihren Eltern und SIE als Eltern ihre Kinder so einschränken würden wollen: https://www.kindaktuell.at/schule-co/klettern-ist-ein-kindlicher-bewegungstrieb.html

Am 10.2.2019 gibt es „Der Schein(€)Papa“.

Wenn es der Sohnemann zwei Mal macht

Wir haben bereits berichtet, dass es sich ziehen kann, bis Bedarf verstanden und anerkannt wird.

Ungeachtet dieser Inkompetenz-Episode seitens von monoprofessionellen Gutachterinnen, haben wir bereits im Mai vor Schulbeginn die Bücherliste von der Schule bekommen, die wir umgehend bestellt, digitalisiert und adaptiert haben.

Im September 2018 hat unser Sohn – wie jeder andere Schüler auch –auch die Bücher bekommen.

RICHTIG beobachtet, wir hatten haargenau die gleichen Bücher zwei Mal, liesen jedoch das Digitalisierungsexemplar verschwinden – bis November 2018, DENN Sohnemann fand die Bücher.

Seither macht er mit groooßer Freude und Energie die Bücherinhalte zwei Mal;-): Einmal, weil er es muss, einmal, weil er es gerne tat und tut.

Am 4.2.2019 gibt es „Kind klettert – die Assistentin auch“

 

Schreiben ist des Sohnes Lust

Schon weit vor dem Schulbeginn, begann unser ältester Sohn sich sehr für Buchstaben zu interessieren:  Schön feinsäuberlich, einer Jungfrau gerecht werdend werden diese aufgetragen.

DOCH der 3.9.2017 verändert alles…;-)

Er entdeckt die Liebe zum Schreiben dieser Buchstaben am PC. DAS hat nicht nur Nachteile, denn da kann Mama auch ganz gut mittun: Sohnemann schreibt, Mama hört und/oder liest auf Braillezeile mit.

Auch Papa ist dran. Auch bei ihm schreibt er liebend gerne. Mit zwei Unterschieden:
Papa hat einen anderen „5“er als Mama. Will heißen: Der Nummerblock-5er ist u. U. bei Mama aufgrund des Screenreaders anders belegt, weshalb er den 5er außerhalb des Nummernblocks verwendet. Zudem ist die Schrift bei Papa – wörtliches Zitat – „immer so schrumpelig“. Will heißen: Durch die Vergrößerung werden Buchstaben nichts schöner, weshalb unsere Inklusionslösung so aussieht, dass ich, Jakob, nicht die Vergrößerung, sondern die vergrößerte Schrift verwende.

Oben Geschildertes ging ziemlich genau ein Jahr, denn seit Schulanfang bevorzugt er ausschließlich Hanschrift.

Am 27.1.2019 gibt es „Wenn es der Sohnemann zwei Mal macht“

Was darf man Kindern zutrauen?

Unter dieser – aus unserer Sicht – hochinteressanten und -irritierenden Frage lädt Lydia zu Gedanken ein.

Irritierend deshalb, weil das Wort „zutrauen“ sehr subjektiv  und zugleich sehr klar ist: „der Meinung sein, glauben, dass jemand die entsprechenden Fähigkeiten, Eigenschaften für etwas besitzt“ ist die eine Definition, „glauben, dass jemand etwas [Negatives] tun, zustande bringen könnte; etwas von jemandem erwarten“ die andere.

Die erste  Definition dürfte diejenige  sein, von der man als Eltern(Teil) ausgeht.

Die zweite Definition könnte jene sein, bei der gerade  behinderte  Eltern sehr aufpassen müssen, um nicht falschen Erwartungen VON DEREN KINDERN aufzusitzen.

Die  erste Definition ist auch jene, die dann – sagen wir – interessant – werden könnte, wenn es um Selbstbestimmung und Recht  geht. Dieses Spannungsfeld illustriert auch dieser Artikel: Die Eltern bestimmen selbst, dass das nicht volljährige Kind  als  Begleitperson reif genug ist, obschon die Geschäftsbedingungen das Gegenteil sagen. In diesem Fall ist, wie wir hier schon mal geschrieben haben, die Selbstbestimmung hinten anzustellen, weil es Bestimmungen so wollen. Ganz egal, ob die Eltern das zutrauen oder nicht. Der Vertragspartner will es so, wenn ich damit nicht einverstanden bin, darf ich den Vertrag halt nicht machen. Ob möglicherweise die  Regelung diskriminierend ist, können nur Gerichte letztentscheiden.

Szenenwechsel: Siebenjähriger Sohn geht Schule. Wir haben ALLE Unterlagen, die seine Schullaufbahn betrifft digital oder durch Assistenz digitalisiert. „Einfacher“ wäre es zu sagen: Wir  trauen ihm zu, dass es das alles selbst macht, ohne  unsere elterliche Unterstützung. Wäre im Konkreten gar kein Problem,  weil er sehr gewissenhaft und klug ist. WIR wollen das aber  nicht, weil wir den Fortschritt und mögliche Problem(stellen) als  Eltern gut möglichst begleiten wollen – wie andere Eltern auch. Zudem wir ja, wie andere  Eltern auch, ja garnicht wussten im Vorhinein, wie es ihm in der Schule geht: Hätte er  schulische Probleme, würde sich die Frage des Zutrauens gar nicht stellen und es wäre, wie bei anderen Eltern auch – UNSERE PFLICHT!!! – Wir könnten es uns nicht erwarten.

Gemäß der zweiten Definition würden wir es aber NIE verlangen, dass er ohne uns tun muss. Ja, das ginge gar nicht, schließlich ist es unsere Pflicht.

Was wir damit sagen wollen: Zutrauen ist die eine Sache, Pflichten und Rechte ersparen jedoch sehr oft die Frage des Zutrauens und bestimmen vieles gleich vorab. Und an diese Für-Alle-Gesetze sollten wir behinderte Eltern uns auch halten – wie andere auch.

PS: Am 22.1.2019 gibt es „Schreiben ist des Sohnes Lust“

Schule – Teil 5: Text muss schon richtig sein

Man könnte versucht sein, zu sagen: Naja, tut’s halt die Info, die ihr braucht, dass ihr euren Sohn unterstützen könnt, abfotographieren, da gibt’s eh Texterkennung und basta.

Nur: Was ist richtig: Uwa oder Owa?

Dass es nicht das gleiche ist, sind wir uns einig, oder? Dass es sich nicht um die verbreitesten Wörter im deutschen Wortschatz handelt, wahrscheinlich auch.

Dass im Buch dadurch Buchstabenreihen(folgen) gelernt werden, ist eine Tatsache.

Tatsache ist weiters auch, dass da der Text richtig sein muss, weil wir möchten schließlich nichts Falsches kontrollieren und korrigieren.

Tatsache ist auch, dass HIER die Grenzen einer 100%ig funktionierenden Technik erreicht wurden. Dass es diese Grenzen der Technik gibt, bestätigt auch die Wissenschaft („Technologie allein ist keine Lösung.“). Also dürfte es auch stimmen, was wir sagen…;-)

Am 13.1.2019 gibt es „Was darf man Kindern zutrauen?“