Der Schlüssel zum Schlüssel

Oder: Die Kinder leisten Assistenz

Es war im Juli als ich, Jakob, bei der Hausverwaltung einen Wohnungsschlüssel nachbestellte.

Die Hausverwaltung wollte zu diesem Zweck die Schlüsselnummer.

Was ich tat: Der Sohn diktierte mir diese.

Wolltet ihr nicht die Kinder verschonen?
Ja, natürlich, nur ist dies eine Miniminileistung, die aus unserer Sicht in „natürliche Beistandspflicht“ fällt.
Die Grenze zu dieser: Wenn diese Tätigkeit täglich, zur gleichen Zeit viel Zeit unserer Kinder in Anspruch nehmen würde.

Am 29.8.2021 gibt es „Ganz schön normal, so ein Tag III“

Ganz schön normal, so ein Tag II

Es war im Juli, ein Sonntag.

Wir sind aufgestanden. Frisch ausgeschlafen, weil die Nacht auch ziemlich angenehm kühl war.

Dann haben wir frühgestückt – Kaffee und Butterbrot gab es.

Um 10:30 habe ich, Jakob, mich mit einem Mietauto, das die Assistentin lenkte, auf den Weg gemacht, um den Sohn von einer Übernachtung zu holen.

Um 14:00 aßen wir dann gemeinsam.

Dann rasteten wir ein wenig, den Rest des Nachmittags verbrachten wir entspannend.

Um 20:00 gingen die Kinder schlafen, wir kurz darauf.

Warum das hier steht?
Um zu zeigen, wie spannunngsbefreit-alltäglich wir leben – mit und ohne Assistenz.

Am 22.8.2021 gibt es „Der Schlüssel zum Schlüssel“

Ganz schön normal, so ein Tag I

Es war im Juli.

Wir sind aufgestanden: Jasmin, um arbeiten zu gehen, Jakob etwas später gemeinsam mit den Kindern.

Dann ging es weiter: Wir frühstückten.

Nicht minder ging es weiter: Wir zogen uns an und gingen Zähne putzen.

Mindestens so spannend: Anschließend kochte ich, die Kinder spielten, bevor wir auf den Spielplatz gingen – mit der mindestens so spannungsgeladenen Assistentin.

Anschließend gingen wir gruppenspannungselektrisiert einkaufen, bevor die Assistentin wieder nach Hause ging.

Spannnungserschöpft machten wir nach dem Essen eine Pause, bevor wir frisch spannungsgeladen in den Garten gingen. Dort an der Spannungssteckdose hängend, trafen wir uns am Nachmittag mit der Assistentin wieder, die spannende Post vorlas, noch spannende Formulare ausfüllte, bevor es an der Tür läutete.
Spannungsüberflutet liefen wir zu Tür: Jasmin kam ganz entspannt vom Arbeiten nach Hause und ging mit der Assistentin spannende Dinge für sich einkaufen.

Um ungefähr 20:00 gingen wir entspannt schlafen.

Warum das hier steht?
Um zu zeigen, wie spannunngsbefreit-alltäglich wir leben – mit und ohne Assistenz.

Am 15.8.2021 gibt es „Ganz schön normal, so ein Tag II“

Alle guten Regeln helfen zwei Mal

Wir haben schon einiges über Regeln berichtet.

Dabei wird wahrscheinlich herausgekommen sein, dass wir diese für die Assistentinnen aufgestellt haben.

Ein weiterer Aspekt, den wir auch noch erwähnen wollen: Diese führen dazu, dass wir, Jasmin und Jakob, uns gemeinsam Sachen überlegen müssen, d. h. sie helfen letztlich zwei Mal: Uns, den Assistentinnen UND vermeiden klarer Weise Missverständnisse.

Am 9.8.2021 gibt es „Ganz schön normal, so ein Tag I“

Sind unsere Kinder durch Assistenz verwöhnt?

Immer wieder kommt direkt oder indirekt, dass Assistenz zur Verwöhnung unserer führen würde.

Wie das kommt?

Weil wir, als Familie, DURCH Assistenz ein weitgehend unbehinderten, ja gleichberechtigtes Leben führen und somit das Denken „Diese armen Kinder“ keine Grundlage hat.

Das „Verwöhnen“ ist demnach eine Verwechslung mit „gleichberechtigt“, „alltagstauglich“ oder „normal“.

Konkreter: Dass etwas (für die Kinder) nicht geht, ist der letzte Weg. WIR, Eltern, organisieren es SO, dass es FÜR unsere Kinder ziemlich normal abläuft.

Das dürfte man übrigens auch unter Art 1 im Bundesverfassungsgesetz zu den Kinderrechten verstehen. Und wenn es die Verfassung so sieht, können wir nicht ganz falsch liegen.

Dazu praktische Beispiele/Fragen:

  • Ist es die Aufgabe der Kinder, sich Gedanken zu machen, wie die Eltern am Spielplatz die Aufsicht machen ODER wollen sie, die Kinder, einfach spielen?
  • Ist es die Aufgabe der Kinder, sich zu überlegen, wie die Hausaufgabenkontrolle erfolgt oder wäre den Kinder möglicherweise sogar lieber, wenn diese, die Hausaufgabenkontrolle, nicht funktionierte?
  • Ist es die Aufgabe der Kinder, für die Postlektüre zuständig zu sein, weil die Eltern (sich) das nicht organisieren?

Wenn SIE diese Fragen (eher) mit NEIN beantworten, sind Sie dem Assistenz-Verständnis wieder ein Schrittchen weiter. Gratulation!

Sollten Sie dennnoch zögern, folgenden Abschlussgedanken: Definitionsgemäß setzt „verwöhnen“ Fürsorge voraus, was gesetzesgemäß nicht die Aufgabe ist.

Am 1.8.21 gibt es „Alle guten Regeln helfen zwei Mal“

Barrierefrei, kein Bedarf

Als Kontrast zum Artikel der vergangenen Woche, ein Beispiel, dass barrierefreie Zugänge auch den Assistenzbedarf auf 0 setzt – in diesem Fall für mich, Jakob.

Tochter hat Arztbedarf. Ich gehe, weil die Mutter arbeitet und die Brüder in der Schule sind, mit den beiden Töchtern zum Arzt, steige dort in den Lift und wir gehen ganz ohne Assistenz nach Hause – Dank der Barrierefreiheit.

SO einfach könnte es sein.

Am 25.7.2021 gibt es „Sind unsere Kinder durch Assistenz verwöhnt?“

Nicht barrierefrei, daher Bedarf

Es war der 30.6.2021.

Gegen Abend klagt die Tochter über Fussschmerzen.

Die Assistentin, nicht vom Fach, meldet uns rück, dass eine kleine Wunde zu sehen ist.

Daher, ich Jakob, versuche, beim Fusspfleger einen zeitnahen Termin zu kriegen. Das klappt auch, nämlich am Morgen des nächsten Tages.

Allerdings wusste ich auch, dass der Fusspfleger eine ziemlich interessante, nicht kindgerechte Wendeltreppe hat.

Daher trafen wir uns mit der Assistentin, die das zweijährige Kind über die Treppe hinauf und hinuntertrug.

Nein, es wäre keine Option gewesen, Hilfe zu holen, da dann ja die Kinder inzwischen allein gewesen wären. DAS dürfte man dann unter dem Begriff „Kindeswohl(gefährdung)“ zu Recht zusammenfassen dürfen.

Nein, es wäre keine Option gewesen einen anderen Fusspfleger zu suchen: Wir kennen uns und Termine zeitnah zu kriegen, ist nicht leicht.

Nein, es wäre keine Option gewesen, dass Jasmin zu Hause mit der Kleinen wartet – sie arbeitete.

Am 18.7.2021 gibt es „Barrierefrei, kein Bedarf“

Beinahe die doppelte Arbeit

Ich, Jakob, zur Assistentin: „Schreib bitte folgende Zeilen in die Einladung“.

Sie tut.

Sohnemann beginnt „korrekturzulesen“ und bricht sehr bald ab mit den Worten „Das kann ich nicht lesen.“

Was war der Fehler?

Ich, Jakob, habe der Assistentin vergessen zu sagen: „Schreib bitte folgende Zeilen IN DRUCKBUCHSTABEN“ in die Einladung“. Ein Beitrag aus dem Bereich „Kleine Fehler, große Wirkung“.

Am 11.7.2021 gibt es „Nicht barrierefrei, daher Bedarf“

Persönliche Assistenz erleichtert das Leben – nicht!

Stellen Sie sich vor, sie sind 170cm groß und wollen etwas aus einer Höhe von 180cm herunterholen. Es gibt keine Sessel und sonstige „Aufstiegsmöglichkeiten“, sich zu behelfen.
Plötzlich kommt jemand, der 190cm groß ist. Sie bitten ihn, dies für sie zu erledigen und er tut es.

Solche Dinge sind nichts sehr Fremdes, oder? Man könnte auch von Mini-Assistenz sprechen, oder?

Und genau das tun Assistentinnen bei und für uns: Dinge, die nicht – in einem erträglichen zeitlichen Rahmen – alleine gehen, dabei unterstützen sie uns.

„Na Gott sei Dank hab’s die Assistentinnen, dass ihr es ein bisserl leichter habt“

Diese Aussage hören wir oft. Sie sollte spätestens nach oberem Beispiel definitiv nachvollziehbar falsch sein.

Wir haben es durch Assistenz nicht leichter, sondern dies ist die Form, Weise und Grundlage für ein einigermaßen uneingeschränktes Leben – für mich Jakob, für mich Jasmin, für unsere Kinder, ja für uns als Familie.

Am 4.7.2021 gibt es „Beinahe die doppelte Arbeit“

Blind und Kinderwagen – alles kein Problem

Es war der 21.5.2021, als ich, Jakob, anrief und Jasmin bat, drei der Kinder inklusive Kinderwagen bei der Haltestelle abzuholen, sodass ich gleich weiterfahren konnte zur Physiotherapie.

Gesagt, getan, Jasmin wartete bei der Haltestelle, um die Kinder zu holen.

Wie DAS mit Kinderwagen ging?

Überhaupt kein Problem: Ich, Jasmin, ging dem Verkehr entgegen, um gesehen zu werden, linke und rechte Fahrspurbeschränkung war auch kein Problem, weil wenn mich ein Auto der anderen Spur toschierte, wusste ich, dass ich zu sehr in der anderen Spur bin.

Wenn ich zu langsam auf der Straße ging, bemerkte ich das an den Autos, die mich anstupsten.

Und, wie geht es ihrem Blutdruck jetzt?

Ist er hoch und höher? DAS können wir gut verstehen, denn dieses Vorgehen wäre fahrlässig und hoffentlich strafbar.

Was nun stimmt?

Der folgende Satz, der Rest ist erfunden: „Es war der 21.5.2021, als ich,  Jakob, anrief und Jasmin bat, drei der Kinder inklusive Kinderwagen bei der Haltestelle abzuholen, sodass ich gleich weiterfahren konnte zur Physiotherapie“.

Und wie ist es wirklich abgelaufen?

Ich, Jakob, habe Jasmin angerufen, dass sie die Kinder an der Haltestelle holt, mit dem Wissen, dass eine Assistentin mit ihr unterwegs ist. Diese, die Assistentin, hat den Kinderwagen – wir halten von derartigen Experimenten ( „…hatte ich einen Kinderwagen, den ich gut hinter mir her ziehen konnte.“) nichts, zumal sie maximal Einzelkind-tauglich sind – geschoben, auf dem Gehsteig.

Am 27.6.2021 gibt es „Persönliche Assistenz erleichtert das Leben – nicht!“