Blind und Kinderwagen – alles kein Problem

Es war der 21.5.2021, als ich, Jakob, anrief und Jasmin bat, drei der Kinder inklusive Kinderwagen bei der Haltestelle abzuholen, sodass ich gleich weiterfahren konnte zur Physiotherapie.

Gesagt, getan, Jasmin wartete bei der Haltestelle, um die Kinder zu holen.

Wie DAS mit Kinderwagen ging?

Überhaupt kein Problem: Ich, Jasmin, ging dem Verkehr entgegen, um gesehen zu werden, linke und rechte Fahrspurbeschränkung war auch kein Problem, weil wenn mich ein Auto der anderen Spur toschierte, wusste ich, dass ich zu sehr in der anderen Spur bin.

Wenn ich zu langsam auf der Straße ging, bemerkte ich das an den Autos, die mich anstupsten.

Und, wie geht es ihrem Blutdruck jetzt?

Ist er hoch und höher? DAS können wir gut verstehen, denn dieses Vorgehen wäre fahrlässig und hoffentlich strafbar.

Was nun stimmt?

Der folgende Satz, der Rest ist erfunden: „Es war der 21.5.2021, als ich,  Jakob, anrief und Jasmin bat, drei der Kinder inklusive Kinderwagen bei der Haltestelle abzuholen, sodass ich gleich weiterfahren konnte zur Physiotherapie“.

Und wie ist es wirklich abgelaufen?

Ich, Jakob, habe Jasmin angerufen, dass sie die Kinder an der Haltestelle holt, mit dem Wissen, dass eine Assistentin mit ihr unterwegs ist. Diese, die Assistentin, hat den Kinderwagen – wir halten von derartigen Experimenten ( „…hatte ich einen Kinderwagen, den ich gut hinter mir her ziehen konnte.“) nichts, zumal sie maximal Einzelkind-tauglich sind – geschoben, auf dem Gehsteig.

Am 27.6.2021 gibt es „Persönliche Assistenz erleichtert das Leben – nicht!“

Dinge, die wir haben, obwohl wir sie nicht brauchen?

  • Kindersitz für das Auto?
  • Handyhalterung für das Auto?
  • Kfz-Stecker fürs Auto?

Diese Dinge haben wir, ob wir sie – beim ersten Hinschauen – gar nicht bräuchten, weil wir kein eigenes Auto haben.

Warum wir sie dennnoch haben? Weil wir, wie berichtet, mit Leihwägen arbeiten, d. h., wir mieten diese, die Assistentin fährt.

Für uns ist klar, dass

  • Kindersitz von uns kommen muss – nicht zuletzt, weil wir verschiedene Autos nutzemn.
  • Handyhalterung und KFz-Stecker ebenfalls von uns kommen muss, sodass die Assistentin Handy laden und für Navi verwenden kann.

Warum wir diese Dinge nicht ausborgen?

Weil es bei regelmäßiger Verwendung kostspielig werden würde und das borgen eines auch impliziert: Man muss die Dinge holen und bringen – was wir zusätzlich planen und organisieren müssten.

Aber man kann ja nicht alles (selbst) haben?
Richtig, daher haben wir auch kein Auto.

Am 20.6.2021 gibt es „Blind und Kinderwagen – alles kein Problem“

Arbeitsteilung

Wir haben schon einmal über wegräumende Assistentinnen berichtet.

Nun geht es um unterstütztes Wegräumen.

Situation: Kind schüttet Glas um.

Schritte: Ich, Jakob, wische und bitte anschließend die Assistentin, diese Tätigkeit an jenen stellen fortzusetzen, wo ich nicht hinkomme.

Und was soll da spannend sein?Nix – ist eine reine Alltags-Praxis-Beschreibung – sorry;-)

Am 13.6.2021 gibt es „Dinge, die wir haben, obwohl wir sie nicht brauchen?“

Ist die Assistentin eine Putzfrau?

Dies hören nicht nur wir, wenn es um Assistenz geht.

Zunächst ein paar Definitionen, die für die Auflösung dieser Inklusionsbehinderung notwendig sind:

  • Definition „Putzfrau“: „Frau, die gegen Entgelt Räume reinigt“
  • Definition „Assistenz“: Hier verweisen wir auf unseren eigenen diesbezüglichen Artikel.

Und diese beiden Termini klären es eigentlich ganz gut, denn praktisch gesehen erfolgt Reinigung kaum raumweise, schon gar nicht stundenweise.

Praktisch ist das EIN weiterer Bestandteil von vielen möglichen Assistenztätigkeiten, was auch der Gesetzgeber so sieht.

Praktisch gesehen kann folgende Situationssequenz „passieren“: Assistentin liest was vor, während Kinder die Küche schmutzfokussiert umgestalten. DANN macht sie, die Assistentin, eine Pause, hilft beim „wiederherstellen“, bevor sie weiterliest.

Am 6.6.2021 gibt es „Arbeitsteilung“

Ist Elternschaft mit Behinderung anstrengend(er)?

Zunächst eine Definition von „anstrengend“: „ermüdend, strapaziös“

Diesmal haben wir es umgedreht, die – mehrheitlich – nicht behinderten Eltern bei den Grazer Mamas befragt – mit der Frage: „UNABHÄNGIG vom Alter der Kinder, setze bitte folgenden Satz fort: Am anstrengendsten mit Kindern finde ich…“

Die Antworten reichten von „laut sein“, „Pubertät“, „geduldig sein“ bis „Auf jede Antwort ein Warum bekommen“.

Soweit die Normalität

Würden wir selbige Frage behinderten Eltern stellen, würde ZUERST vermutlich sowas wie „Von A nach B kommen“ oder „Unterlagen/Alltagsinformation gut lesbar vorfinden“ .

Diese – jedenfalls untersuchenswerten – verschiedenen Empfindungen von „anstrengend“ lassen folgende Schlüssel zu:

  1. Das „Behinderungsanstrengende“ ist ZUSÄTZLICH zum „Normalanstrengenden“ zu sehen, denn zuvor kommt das Kind mit genannten Ausprägungen und ZUSÄTZLICH die „Behinderungsanstrengung“.
  2. Der „Behindertenalltag“ ist möglicherweise SO anstrengend, dass das „Normalanstrengend“ sowieso als solches nicht wahrgenommen wird.

Und was bedeutet das?

Da es unseres Wissens keine Anstrengungspflicht für behinderte Menschen, jedoch Grundrechte für alle Menschen – also auch behinderte Menschen – gibt, ist jedenfalls letzteren der „Vorzug zu geben“, geschützt nicht zuletzt durch Verfassung. Jegliche Bewertung von „zumutbarer Anstrengung“ ist im Sinne von Grundrecht sehr leicht zu beantworten.

Dadurch geht es dann auch nicht mehr darum, ob Unterstützung erleichtert, möglich macht oder sonst was: Behinderte Menschen sind so zu unterstützen, dass sie gleichbehandelt werden zu nicht behinderten Menschen – sagt die Verfassung sinngemäß. Alles andere ist zweck- und sinnlos.

FÜR DIE BEHINDERTEN ELTERN bedeutet, dass man es so (falsch) machen kann, wie wir es hier beschrieben haben und dieses Ergebnis erhalten kann oder man sich dessen bewusst, idealerweise IST, aber zumindest WIRD und entsprechend handelt.

Am 30.5.2011 gibt es „Ist die Assistentin eine Putzfrau?“

Ängste nehmen, Geld verdienen

Es war im März 2021, als wir von einer Assistentin einen Anruf bekamen, dass sie sich nicht wohl fühle.


An und für sich nichts Neues, aber – und das wird sich noch zeigen – haben wir die Beobachtung und Erfahrung gemacht, dass früheres und oft gar nicht artikuliertes „Nicht Wohlfühlen“ nunmehr mit „Corona“ übersetzt wird.

Was wir tun?

Nehmen das zur Kenntnis, sagen der betreffenden Assistentin, dass wir einen Schnelltest vor die Tür stellen und im Falle negativen Testergebnisses gearbeitet werden kann.

Bislang hatten wir exakt 0 positive Fälle und alle Assistentinnen hatten dadurch die Möglichkeit, 0 Euro Verdienstverlust zu haben.

Also zum Nachmachen durchaus geeignet…;-)

Am 23.5.2021 gibnt es „Ist Elternschaft mit Behinderung anstrengend(er)?“

Es kann nicht genug geregelt werden

Wir haben schon viel über Regeln, die wir den Assistentinnen gegenüber zwecks besserer Klarheit aufstellen, berichtet.

Eine dieser heisst: „Wenn der Parkplatz f. d. Leihwagen nicht frei ist, bitte auf den nächsten freien parken und uns PER SMS die genaue Adresse des Standorts mitteilen“.

In dieser Regel haben wir verschriftlicht, wie es sein muss, nicht weil wir es wollen, sondern, weil es schlicht so gehört, bei Problemen wir als Vertragspartner verantwortlicht sind.

Und exakt diese Regel – kamen wir im Nachhinein drauf – wurde nicht beachtet.

Warum wir das wissen?
Weil wir einen Tag nach dem Mietgeschäft einen Anruf bekamen, wo denn das Auto sei.

Auf Nachfrage bei der Assistentin stellte sich sehr schnell heraus: Sie hat diese Regel nicht „gekannt“, mit ehrlicheren Worten, nicht gelesen, denn die Regeln kommen an jedem Monatsersten automatisiert.

Was wir daraus lernten?
Wir fragen künftig nach jedem Abstellen, wo das Auto abgestellt wurde.

Wir wissen, es klingt wie in einer Prüfungssituation, tun wir es nicht so, wissen Sie spätestens jetzt, was passieren kann.

Am 16.5.2021 gibt es „Ängste nehmen, Geld verdienen“

Eltern anwesend und die Assistentin bindet die Schuhe?

So geschehen am 25.10.2017.

Wie DAS möglich und erlaubt ist? 

Folgende Situation: Mutter kümmert sich um 11 Monate alte Tochter, älterer Sohn versorgt sich selbst und dann ist noch …. Richtig!Das dritte Kind.

Und DAS kann der Vater nicht machen?
Der Vater. Dieser kann – nicht einmal bei sich selbst – mit einer Hand die Schuhe binden.
Also weist er die Assistentin an, dass sie das tut.

Und die Mutter könnte das nicht hintereinander machen?
Wären wir keine gleichberechtigte Partnerschaft und Familie, dann ja.
Aber, wie in allen anderen Familien auch, teilen wir uns – aus welchem Grund auch immer – ist ja schließlich unsere Sache – die Arbeit auf (wennn wir beide zu Hause sind – ansonsten könnten wir uns zwar oft teilen, aufteilen ist alleine schwer:-)).

Und wenn die Assistentin nicht da gewesen wäre?
Diese Frage stellte sich gar nicht, weil da Ankleiden die Vor-Tätigkeit für die anschließende Mobilitätsunterstützung war.

Am 9.5.2021 gibt es „Es kann nicht genug geregelt werden“

 

Welche Assistentinnen haben wir?

Nein, es kommt jetzt keine Liste mit Namen – da hätte der Datenschutz Probleme mit uns.

Sondern es geht um die verschiedenen Arten, wie Kommunikation erfolgt und aufgenommen wird, die Tätigkeit auslöst.

Wir haben in den letzten 13 Jahren folgende Kommunikations-Typen kennen lernen dürfen:

1)Wir artikulieren, wo wir Hilfe brauchen, aus der Erfahrung der bisherigen Zusammenarbeit führen die Assistentinnen Dinge so aus, wie wir es wollen.

2)Die Assistentin tut hoch automatisch Dinge (so), wie sie es bisher gemacht hat.

3)Die Assistentin tut das und so, WAS sie an Arbeit sieht und diese nach besten Wissen und Gewissen.

4)Die Assistentin hört (meist) ein Wort und macht Autovervollständigung. Z. B. „Kannst den Brief bitte“ – ohne fertigzuhören wird dieser geöffnet, weggeschmissen, still gelesen etc.

Welche Typ uns am Liebsten ist?
DAS hängt einzig und alleine von der Tätigkeit ab, wobei Typ 3 und 4 am Schwierigsten und Schlechtesten ist, weil wir dadurch nicht mehr wissen, was (nicht) getan wird: DAS hat mit Assistenz nichts zu tun und nimmt uns jegliche Selbstbestimmung und -kontrolle.

Zusammenfassend scheint uns wichig, sich mindestens  dieser Kommunikationstypologien  bewusst zu sein, um danach die Zusammenarbeit zu gestalten. Auch können wir uns gut vorstellen, dass es nicht unwesentlich von der Behinderung abhängt: Hat man beispielsweise Schwierigkeiten beim Sprechen, gestaltet man (sich) die Zusammenarbeit entsprechend.

Am 2.5.2021 gibt es „Eltern anwesend und die Assistenti bindet die Schuhe?“

Die Kinder räumten her – die Assistentinnen weg

So eine Frechheit auch. Wie kommen wir Steuerzahler dazu, dass wir dafür bezahlen, dass die andere den Dreck wegräumen. Wenn Sie SO denken, sollten Sie unbedingt weiterlesen.

Folgendes Szenario: Unsere beiden Buben spieltem liebend gern mit kleinen Legoteilen, bauten Dinge nach Lust und Laune.

Nicht weiter tragisch.

Sie räumten ihre Bauwerke dann auch selbst wieder weg – meist und fast vollständig.

Warum die Assistentinnen trotzdem helfen bzw. hinterherräumen?

Weil es da noch eine Schwester mit gut 15 Monaten gab, die nichts lieber tat, als alles – auch kleine Legoteile – zu kosten. Und DAS wäre dann wohl eher – um es gelinde auszudrücken – nicht so gut, oder?

Denn vielleicht war das Meist und Fast vollständig der Buben gar nicht sooooo fast und vollständig – sind ja schließlich auch (noch) Kinder, die Buben…

Und wie war das, während sie spielten – war das dann nicht gefährlich?
Nein, weil die Buben nach Kräften ihre Bauwerke und Teile verteidigten.

Das genaue Zusammenräumen hat auch einen anderen, weiteren Grund: Ich, Jakob, mag es nicht besonders, mit spastischem Fuss auf Lego zu steigen – sehbehinderungsbedingt kann es jedoch dennnoch passieren.

Am 25.4.2021 gibt’s „Welche Assistentinnen haben wir?“