Corona und wir – Teil 17

Titel dieses Beitrags ist „herum-“.

Dabei beziehen wir uns auf die Definition  des eher ziellosen und planlosen, unsystematischen Tuns.

Konkrete Beispiele:

  • herum-helfen
  • herum-unterstützen

In diesem vorrübergenden Dauerzustand in der Coronaepoche wäre in folgenden Bereich momentan das Herum- nicht möglich, schlicht gefährlich: Sehr oft zählen ältere Menschen zur Risikogruppe, fallen daher sehr oft als Helferleins aus. Junge arbeiten wieder, haben daher – gleich wie vorher – nur begrenzt Zeit, ja nur dann Zeit, wann die andere MASSE Zeit zum Einkaufen etc. hat – und sollte man diese – die Masse – nicht gerade jetzt vermeiden?

Daher sollte spätestens JETZT klar sein, dass das dienstleistende Helfen dem Vorrang zu geben ist. Dies aber individuell, passgenau und selbstbestimmt – jegliche „Gruppifizierung“ kann tödlich sein – auch in Österreich.

Wir haben über das Herum- schon einmal berichtet: Schon damals war es für uns nix, jetzt gibt uns sogar der Gesundheitsminister durch diverse Verordnungen udgl. Recht – also muss es stimmen.

Und abschließend noch ein Gedanke: Wenn Herumgeholfen wird, oft von fremden, jedoch jedenfalls von verschiedenen Personen, wie wäre es dann im Falle einer Ansteckung möglich, die Helfer-Kette (oft eher Helfer-Armee) rückzuverfolgen, wenn oft der Helfende gar nicht bekannt ist, weil’s schnell mal wer mitmacht?

Am 7.6.2020 gibt es „Corona und wir – Teil 18“

 

Corona und wir – Teil 16

Thema ist der Unterschied zwischen „Inklusion“ und „Integration“.

Denn es fällt auf, dass eigentlich der Unterschied mehr denn je auffällt: WIr haben uns über Inklusion schon einmal Gedanken gemacht, dennnoch nachfolgend die Duden-Definition:

  • INTEGRATION: Es geht um wiederherstellen, verbinden und einbeziehen.
  • INKLUSION: „gemeinsame Erziehung beeinträchtigter und nicht beeinträchtigter Kinder in Kindergärten und [Regel]schulen“, sagt der Duden.

Und weil die Coronazeit EIN GEMEINSAMES Problem FÜR ALLE darstellt, ist diese inklusive als alles zuvor.

Heisst aber auch, dass nunmehr der Betroffene gehört werden muss, ABER auch genauer wissen muss, was er braucht.

Übliche Behindertenreflexe „Ja, aber…“ von nicht Betroffenen funktionieren nicht mehr.

Übliche Versorgungsreflexe ebenso wenig – wegen der Kontaktvermeidungsregeln.

Jetzt wird DAS in der Praxis sichtbar, was in der Theorie als Vielfalt oder Diversität bezeichnet wird. Dazu nunmehr  theoretische Abhandlungen zu tun, ist praktisch tödlich. Und wenn nicht gerade tödlich, zumindest nicht möglich.

Praktisch funktionieren liebgewonnene Gedanken „Ich tue, wie ich kann, die anderen tolerieren das“ nicht mehr: Wenn ich bisher dadurch eingekauft habe, in dem ich alles berühren musste, hat DAS spätestens JETZT Grenzen.

Wenn ich gewöhnt bin, in den Öffis mit dem Fahrer über Ein- und Ausstieg zu kommunizieren – jetzt nicht, denn die erste Tür, zumindest in Graz, ist sehr oft zu.

Am 3.6.2020 gibt es „Corona und wir – Teil 17“

 

Corona und wir – Teil 15

In diesem Beitrag geht es um den Unterschied zwischen „agieren“ und „reagieren„.

Um das nachvollziehbarer zu gestalten, drehen wir die Zeit auf den 13.3.2020 zurück: Quasi von heute auf morgen sperrt der Staat zu – aus Sicherheitsgründen.

Das (Familien)Leben geht aber weiter –  wie bei allen anderen auch: Schule wird zu Home-Schooling, der Rest der Kinder ist AUCH zu Hause.

Das (Familien)Leben geht weiter: Einkaufen, „in der Schule“ unterstützen, reinigen und, und, und….

Und jetzt kommt „agieren“ und „reagieren“ ins Spiel: Behinderte Menschen werden oft aufs Reagieren heruntergebrochen, sprich, wenn der Bedarf verstanden wird (von 101% nicht behinderten Menschen als Entscheidungsträger), wird genehmigt, um reagieren zu können.

Die Coronazeit hat jedoch dieses Kaffeesudzukunftsverhandeln unmöglich gemacht, weil sich viel für ALLE geändert hat, d. h. JETZT wird man auch den Behinderten nicht mehr als diskriminierte Cashcow wahrnehmen können, vielmehr gutes und praxisorientiertes Casemansagement vornehmen müssen.

Am 31.5.2020 gibt es „Corona und wir – Teil 16“

Corona und wir – Teil 14

Titel dieses Inhalts ist „Schluss mit selbstbestimmtem Aufführen und Toleranz“.

Anders gesagt: Unsere liebgewonnenen Verhaltensweisen, um – meist ohne Hilfe – teilhaben zu können, beruhen sehr oft auf Toleranz und – ja, das muss auch gesagt werden – Mitleid, Nachsehen und „Armutsdenken“.

DAS ist momentan oft schwierig, weil es – sanktionierte – Regeln FÜR ALLE gibt.

Beispiel Orientierung: In einigen Geschäften hat sich die Ordnung durch – Coronaregeln – geändert. Änderung, suchen und Co – NICHT sehr  sehbehindertenfreundlich.

Beispiel „Greifsuchen“: Sehbehinderte Menschen „sehen“ oft „mit den Händen“. An Jakobs Beispiel: Durch Greifen gehe ich oft sicher, ob ich wirklich richtig liege, welches Obst es ist. Nunmehr, dies mit Desinfektionsmittelhänden auch ok? Ich denke nicht.

Beispiel Kommunikation: Die Maskenpflicht in Geschäften vereinfacht die Kommunikation mit z. B. Verkäufer nicht unbedingt.

Beispiel Öffis: Weil die erste Tür bei uns in Graz zu sehr oft zu ist, was sicherheitstechnisch voll verständlich ist, ist die – hin und wieder notwendige – Mobilitätskommunikation mit dem Fahrer sehr  beeinträchtigt.

Also die Bereiche Mobilität, Kommunikation und Wohnen haben sich geändert. So geändert, dass sich auch der Assistenzbedarf geändert hat: Wegen  mir  tolierierte Ausnahmen sind momentan nicht möglich, für Mitleid und Armut – Gott sei Dank – weder Zeit, noch Nerven der Umwelt.

Interessant und von uns leider nicht in Erfahrung zu bringen war die diesbezügliche Änderung im Lehren von Mobilitäts- und Orientierungstraining bzw. LPF-Training, da hier beim Training selbst oft Nähe notwendig und die Methodik oft sehr „handnah“ ist.

Am 27.5.2020 gibt es „Corona und wir – Teil 15“

 

Corona und wir – Teil 13

In diesem Beitrag geht es – wieder einmal – um Zeit.

Genauer: Um die Zeit von März bis Mai 2020.

Jasmin hat schon einmal eine Zeitrechnung ihres Lebens angestellt.

Zu Corona ist das im Prinzip gleich, anders: Weil sich etwas ganz Entscheidendes verändert: Die Anzahl der Leute, die mehr oder minder dauerhaft zu Hause sind.

Im Prinzip nicht sooooooo neu, weil es auch in unseren Vorstellungen von (Familie(n)Bild ähnlich „abläuft“.

Weiters haben wir schon einmal über den Zusammenhang Kind(er) und Assistenzdauer geschrieben.

Sie sehen, die Dinge hängen zusammen, obwohl man DAS von „den Behinderten“ nicht erwartet.

Und nun? Da – coronabedingt – die Kinder deutlich mehr zu Hause sind, stellen wir fest, dass dieses typische behinderte Denken „Ah, ihr habt eh Zeit“ weniger denn je greift, denn: Vorgänge parallelisieren sich.

Heisst: Wenn im Normalbetrieb ein Kind in der Schule, ein weiteres im Kindergarten und das dritte in der Kinderbetreuung ist, DANN ist Zeit, für Dinge, die Zeit brauchen.

Und nun? Nix mit täglich Schule, nix mit täglich Kindergarten, nix mit regelmässig Kinderbetreuung.

Daraus folgt: Dinge haben zu geschehen, trotz Kinder. Mit Assistenz. Die uns unterstützt bei Dingen, die normal halt länger brauchen.

Praktische Beispiele:

  • Reinigung, die wir grob schon mal selbst machen – normalerweise. Nunmehr ist diese deutlich mehr UND hat, weil wir eben alle zu Hause sind, genauer zu erfolgen.
  • Suchen von Dingen – DAS ist ein grooooooßtes Thema;-) Schliesslich simd die „Hauptauftraggeber“, die Kinder, zu Hause.

Dies selbstverständlich neben den Dingen, die sowieso sind, wie etwa Homeschooling (und der daraus folgende Digitalisierungsbedarf), Einkaufen und, und, und…

Am 24.5.2020 gibt es „Corona und wir – Teil 14“

 

 

Corona und wir – Teil 12

In diesem Bereich behandeln wir Barrierefreiheit von Online-Angeboten.

Dieses ist wichtiger denn je, weil Geschäfte geschlossen sind. Dadurch werden jedoch auch die Schwächen aufgezeigt, d. h. Angebote sind oft nicht barrierefrei.

Dabei zwei Hauptgründe:

  • Deutscher Text wird über die Sprachausgabe in englischer Sprache vorgelesen.
  • Der Aufbau ist generell nicht barrierefrei: Dies reicht von nicht beschrifteteten Grafiken bis hin zu unlogischen (An)Ordnungen der Elemente.

Egal, was nun der Grund ist: Es ist nicht barrierefrei. Dadurch wird nunmehr Assistenz auch in diesem Bereich wichtiger denn je, weil es sehr oft die einzige Möglichkeit ist, Einkaufteilhabe dennnoch umzusetzen.

Zudem zeigt es – wieder einmal – auf, dassnicht nur so genannte Profis sich nicht auskennen (wollen), sondern diese Gruppe und sämtliche Richtlinien – in der Privatwirtschaft – sehr oft nicht angekommen sind.

Am 20.5.2020 gib es „Corona und wir – Teil 13“.

 

 

 

Corona und wir – Teil 11

Thema: Freizeit in der Coronazeit?

Und, wie viel Freizeit habt ihr momentan? Mehr? Gleich viel? Keine?

Wir würden vermuten, „Mehr“ wird für  viele stimmen, „gleich viel“ für einige, „Keine“ noch welche stimmen. Eine weitere Möglichkeit wird möglicherweise „andere“ sein, vor allem für jene, die – wie wir – Familie sind: Kinder sind zu Hause, daher ist Schule von zu Hause und auch Arbeit von zu Hause zu erledigen.

Und wann findet diese „andere Freizeit“ statt?
Wenn wir keine Schule oder Arbeit machen.

Und genau um den letzten Zugang geht’s: Wir verstehen, wie auch das Wirtschaftslexikon Gabler, Freizeit als jene Zeit, in der nicht gearbeitet wird (…und daher freier gestaltet werden kann).

Dass diese Meinung offensichtlich nicht alle teilen, zeigen die Stellungnahmen zur Richtlinie Persönliche Assistenz im Burgenland, obschon z. B. „ehrenamtliche Tätigkeiten“ genauso der Förderung wie Arztbesuche unterliegen. Sohin hat eigentlich das Land Burgenland Freizeit „Gablerisch“, gleich wie wir, definiert.

Ändert natürlich nichts daran, dass man darin von „erleichtern“ spricht und sich zu keinem Rechtsanspruch durchgerungen hat.

Die unterschiedlichen Interpretationen von „Freizeit“ wundert uns insoweit, weil die dazugehörige Tätigkeitsbeschreibung auch eher in diese Gabler-Richtung geht.

Diese sinnbefreite Freizeitdefinition gab es auch in der Steiermark: Seit 2011 trägt man jedoch dem ganzheitlichen Freizeitbegriff  durch die Persönliche Assistenz Rechnung.

Dies ist momentan um so wichtiger, weil eine mögliche Zerstückelung in irgendwelche Bereiche auch dazu führt, dass andere Personen andere Tätigkeit tun (dürfen) – und da wären wir beim kontaktvermeidenden Verhalten in der Coronaepoche.

DAS ist jetzt die Zeit, AUCH den Behinderten als Menschen zu sehen. Als Menschen, der im Jahr 8760 bzw. 2020 8784 Stunden lebt. Ob er in dieser Zeit Freizeit, Arbeitszeit, Schlafzeit, Elternzeit oder sonst was macht, geht eigentlich niemanden etwas an – numehr weniger denn je.

Am 17.5.2020 gibt es „Corona und wir – Teil 12“

 

 

 

Heute ist Muttertag

Muttertag ist heute auch bei uns.

Und wie bei vielen anderen, wurden in z. B. der Schule ein Gedicht ausgegeben, das die Kinder lernen sollten, bei dem die Mutter mit- und nachlesen kann.

Das war auch bei mir, Jasmin, so.

Nach der Texterkennung, jenes Teil, das so manche Fachwelt nicht versteht, stand:

CüAe JIxMYva!
Jcfv twA/ß genau, dem ixA dixA mag und nicM nun htuA am J^uMenlag, Dann idgtixA •komm! mi/v in den Sinn, day> ixA mi4 din oo- gtwoMiofv &in.
*
W V
Du magd mtxA audv und ninvmzyi micftz yo, aaad me- ixA 6in, daz> maofvi micfv

Verstehen Sie nicht?

Ich auch nicht, daher hat Jakob mit den Kindern QR-Code vorbereitet, der wie folgt aussieht:

Hinter diesem QR-Code befindet sich das Gedicht.

DAS ist dann auch lesbar.

Und wie hat Jakob das lesen können?
Gar nicht, weil er mitgeschrieben hat, als ihm der Sohn es aufsagte, zum Üben.

Aproppos: Hörenswerte Radiosendung unter https://oe1.orf.at/player/20200507/597914

Am 13.5.2020 gibt es „Corona und wir – Teil 11“

Corona und wir – Teil 10

Thema dieses Beitrags  „Wenn zwei behindert sind, dann…“…

Wir beobachetn seit dem Coronazeitalter eine zunehmende Thematisierung unter Betroffenen, wenn es darum geht, dass in Partnerschaften, bisher der, der besser „beisammen ist“, Dinge gemacht hat, die der andere nicht oder nicht so gut kann.

Dabei denken wir an Dinge wie Einkaufen durch den Bessersehenden.

Wenn der Bessersehende nunmehr dennnoch sehbehindert ist und „unter ganzem Körpereinsatz“ einkauft, indem Hand und Augen, ja eher Nase verwendet, so stösst dies an Grenzen, nämlich an Virus-Übertragungsgrenzen, die er dann gleich nach Hause mitnimmt.

Zeitgleich kann die „Fach“Welt dieses Beispiel auch hernehmen und den üblichen Fach-Rülpser sein lassen, dass es eh noch jemand gibt, der – wenn auch unter Mühe – tun kann.

DAS ist schlimmstenfalls jetzt tödliche, fremd- und eigengefährende Fachlichkeit.

Am 10.5.2020 gibt es „Corona und wir – Teil 11“

 

 

 

Corona und wir – Teil 9

Thema: Assistenz-Sicherheit und Corona.

Da geht es einzig um die Aufgabe – in diesem Fall für uns als Arbeitgeber – für Assistenzsicherheit zu sorgen.

Dies tun wir

  • Durch Mund-Nasenschutz, der von uns zur Verfügung gestellt wurde,
  • Desinfektionsmittel, dass direkt bei der Eingangstür steht.
  • Wege-minimierendes Verhalten.

Wir denken, wir tun das Maximum – was uns auch zahlreiche Apotheken bestätigt haben.

Am 06.5.2020 gibt es „Corona und wir – Teil 10“