Wenn Assistentinnen schon Assistenz gemacht haben

Suchen wir Assistentinnen, bewerben sich sehr oft Assistentinnen, die schon Assistenz geleistet haben. Meist bei körperbehinderten Menschen, oft auch bei und für blinde Menschen.

Was auf den ersten Blick als Vorteil erscheinen mag, ist sehr oft genau das Gegenteil von einem Vorteil.

Warum?

  • Es dürfte „Lernen am Modell“ (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkognitive_Lerntheorie) eine Rolle spielen: Kennst einen Blinden, kennst alle.
  • Wenn Assistenz aufgrund einer „gegenteiligen“ Behinderung geleistet wurde, kann’s auch schwierig werden: Wir verstehen jeden Rollstuhlfahrer, der NICHT jeden Schritt beschreiben möchte, von Routinen immer wieder in Kenntnis gesetzt werden will – das ist anstrengend. DAS läuft bei uns jedoch anders: Wir wollen wissen, dass die Küche schmutzig ist. Wir wollen wissen, was in einem Brief steht, auch wenn es sich nur um Werbung handelt.

Die Lösung? Es kann NUR Aufgabe der Assistentin sein, sich komplett neu einzustellen. Wir können und dürfen sie nicht umprogrammieren. Dürften wir das, würden wir eine Gehirn-Amputation der Erinnerungs-Zone im Hirn veranlassen…;-)

Am 17.12.2017 gibt es „Wer kümmert sich um uns?“

Wenn Facebook Wege beschreibt

Es war der 12. Oktober 2017, als der Kindergarten per SMS mitteilte, wo’s beim Ausflug am 13. Oktober losging.

Nachdem wir nicht wussten, wo der Bus am Bahnhof genau wegfährt, fragten wir in einer Facebook-Gruppe nach, wo es wenige Minuten später hieß: „Kommt man von den Bahnsteigen und geht beim Spar raus, dann geht man nach links, über die Straße und rüber zu den Bushaltestellen. Dort ist es die erste Haltestelle vorne.“

Entsprechendes Grundwissen von dort vorausgesetzt, war DAS eine super Beschreibung.

Hätte es Facebook nicht gegeben – richtig, dann hätte die Lösung Taxi oder Assistenz geheißen…

Am 10.12.2017 gibt es „Wenn Assistentinnen schon Assistenz gemacht haben“

 

Barrierefreies Kindersesselsitzenfussball…made by zweijährigem Sohn

Es war der 19.12.2016.

Der jüngere unserer beiden Söhne lies es sich nicht nehmen, mit mir, Jakob, Fussball im Zimmer zu spielen.

Er setzte sich zielstrebig in den Türstock und bedeutete mir, ich möge mich an die Balkontür stellen. Gesagt, getan – schließlich geht’s ja um das Kindeswohl…;-)

Plötzlich brüllt er aus Leibes Kräften „Papa, warten“, geht zu einem Kindersessel, schreit „Du, weg“, schiebt den Sessel an die Balkontür und sagt: „Jetzt du besser spielen“.

AUCH DAS ist Fussball für alle made by einem zwei Jahre alten Kind…

Hintergrund: Körperbehinderungsbedingt ist das Hin-Sitzen auf einen Boden sehr beschwerlich, das Aufstehen ohne feurwehrliche Hilfe alles andere als gesichert…

Am 3.12.2017 gibt es „Wenn Facebook Wege beschreibt“ 

Barrierefreies Spielen – Copyright bei dreijährigem Sohn

Wer kennt das Lied „Kleine Uhren machen TickTack nicht?
Sie? Dann holen Sie diese Bildungslücke sofort nach!:-): https://www.youtube.com/watch?v=xQdtm-ymjPE

Denn darum geht’s im folgenden Beitrag.

Unser Dreijähriger liebt dieses Lied. Mit Mama spielt er es nach Anleitung (s. http://www.kinderturnstiftung-bw.de/bewegungsanregung-nr-3-bewegungslieder).

Mit Papa geht das wegen der Zweihandnotwendigkeit nur bedingt.

Aber, kein Problem – Sohnemann funktionierte es kurzer Hand um, indem er sich mit der Bauchseite auf meinen Schoss setzt, wenn’s „ringt“, dann lässt er sich nach hinten fallen und ich, Jakob, halte ihn mit einer Hand am Rücken.

Wie oft schon was passiert ist? 0,0 Mal…

PS: Am 26.11.2017 gibt es „Barrierefreies Kindersesselsitzenfussball…made by zweijährigem Sohn“

 

ER hat es verstanden, der 6jährige Sohn

Wenn Sie uns fragen würden, was sie von unseren Kindern lernen könnten, würde uns viel einfallen;-), aber fangen wir mal beim Verständnis und der Funktion von Assistenz an.

Es war der 16.9.2017, als der jüngere unsere Söhne zur Assistentin ging und sie fragte, ob sie ihm den Lutscher aufmacht.

Der sechsjährige Sohn verneinte dies mit den Worten: „Da musst du Papa fragen. Erst wenn er JA sagt, dann darf sie das“.

Wir denken, wenn ein sechsjähriges Kind die Funktion von Assistenz verstanden hat, dürfte das für Erwachsene, Gutachter und Behördenmitarbeiter auch ziemlich gut möglich sein.

Wenn sie es durch dieses Beispiel nunmehr (besser) verstehen, auch schön…;-) Wenn nicht, würden wir auch Schulung anbieten, die unsere Kinder halten würden, denn das ist wirklich kinderleicht zu verstehen…;-)

Am 19.11.2017 gibt es „Barrierefreies Kindersesselsitzenfussball…made by zweijährigem Sohn“

 

„Ah, die Kinder …. die Assistentin“

Diese und ähnliche Aussagen hören wir immer wieder, wobei anstelle … Wörter wie
– holt
– bringt
– verpflegt
– *wäscht
– *zieht an/aus
– bespaßt
– *liest vor
– geht auf den Spielplaz
– …
einzusetzen sind.

Zugegeben, man muss den oben genannten Satz umbauen, sodann er grammatikalisch richtig wird/ist.

Was wir an diesen Beispielen (auf)zeigen möchten? Wie sehr offensichtlich geglaubt wird, dass Assistenz eine Erleichterung ist.

Um diesem Gedanken nicht weiter aufzusitzen, lesen sie auf schnellstem Wege https://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nliche_Assistenz
Danke!!!

PS: Die mit * gekennzeichneten Wörter sind dann Assistenztätigkeiten, wenn wir der Assistentin den Auftrag geben, weil es behinderungsbedingt notwendig ist: das Anziehen FÜR Jakob, das Waschen ebenfalls FÜR Jakob, es sei denn, es handelt sich um einen visuellen Feinschliff, dann kann es AUCH FÜR Jasmin notwendig sein…

 PS: Am 12.11.2017 gibt es „ER hat es verstanden, der 6jährige Sohn“

Wenn mangelnde Barrierefreiheit nicht behinderte Kinder diskriminiert

Folgendes Beispiel soll illustrieren

  • was passieren würde, wenn wir keine Assistenz hätten und
  • wie leicht es geht, die Kindesentwicklung durch Nicht-Barrierefreiheit negativ zu beeinflussen, AUCH, wenn die Kinder nicht behindert sind.

Es war das Wochenende um den 30.9.2017. Da hatte die so genannte Regenbogenwelt (www.regenbogenwelt.at) Tag der offenen Tür.

Einerseits haben wir davon schon viel gehört, andererseits wollten wir das 10jährige Bestehen mitfeiern.

Zudem waren wir sehr angetan vom Sager „Die gesamte Anlage –  auch unsere Bowlingbahnen – ist barrierefrei.“ auf der Homepage.

Doch, dass das mit der Barrierefreiheit nicht ganz stimmte, stellte sich sehr bald heraus, als leider die Einladung zum Tag der offenen Tür ausschließlich als Bild auf der Facebook-Seite zu finden war.

Nachdem ich, Jasmin, das kundtat, bekam ich das Ganze als Text.

Mehrere Moralien aus dieser Geschichte;-):

  • Mangelnde Barrierefreiheit führt dazu, dass wir von Information ausgeschlossen sind, somit auch eine wesentliche Teilhabemöglichkeit für uns als Eltern, für unsere Kindern, ja für uns als Familie verloren geht.
  • „Barrierefreiheit“ = Rollstuhl.
    Nicht falsch verstehen: Finden wir gut, dass daran gedacht wird! Schließlich ist das ja für jeden Kinderwagen-Besitzer ein Thema. Aber dieser Punkt alleine ist eben zu wenig. Zumal die digitale Barrierefreiheit REINE Ignoranz und Nicht-Denken ist, denn am Computer werden die Dinge sowieso geschrieben. Sobald sie jedoch gestyled werden, werden sie meist barrierereich. Also, einfach die Grundversion zusätzlich zur Verfügung stellen.

PS: Am 5.10.2017 gibt es „„Ah, die Kinder …. die Assistentin““

 

 

Wie Regeln entstehen – ein Praxisbeispiel

Dass wir den Assistentinnen Regeln vorgeben, haben wir bereits erzählt. (https://familieallinclusive.wordpress.com/2017/01/08/r-wie-regeln/).

Ein Praxisbeispiel dafür, wie eine derartige Regel entsteht und diese, die Regeln, immer ein Produkt aus vergangenen Handlungen sind, folgt nun.

Es war der 1. September 2017. Die Assistentin hatte den Auftrag, mich, Jakob, und meinen jüngsten Sohn abzuholen. Sie fuhr los.

Inzwischen hat es sich jedoch ergeben, dass zumindest die Hälfte der Strecke jemand anderer machen kann. Diese Info, wo wir uns „neu“ treffen, wollte ich der Assistentin weitergeben – vergeblich: 19 Anrufe und zwei SMSs waren zwecklos.

Darauf aufbauend entstand dann folgende Regel: „Während dem Auto fahren sicherstellen, dass ihr telefonisch erreichbar seid. Selbstverständlich geht Sicherheit vor. Wenn wir etwas brauchen, während ihr Auto fahrt, werden wir drei mal hintereinander anrufen; ihr bleibt bitte bei der nächsten, sicheren Möglichkeit stehen und ruft bitte zurück. Daher unbedingt sicherzustellen ist die HÖRBARKEIT des Läutens!“

Wir glauben, durch diese Regel möglichst alles bedacht zu haben:

  1. Akku muss dementsprechend geladen sein.
  2. Erreichbarkeit ist sicherzustellen.
  3. Sicherheit ist ebenfalls sicherzustellen.
  4. Durch das dreimalige Hintereinanderläuten, kann relativ sichergestellt werden, dass wir es sind.

Am 29.10.2017 gibt es „Wenn mangelnde Barrierefreiheit nicht behinderte Kinder diskriminiert“

(Wie) Lernen unsere Kinder die Uhr?

Diese Frage ist für uns momentan sehr leicht beantwortbar, da das DIE – neben Buchstabenerlernung – Beschäftigung unseres älteren Sohnes ist.

Wie geht’s nun?

Da unser Sohnemann die Zahlen schon kennt, lösen wir es so: Er sagt, wo der kleine und der große Zeiger steht. Somit ist unser visuelles Defizit weg, denn die Info, die uns sunst die Augen geben würden, hat uns soeben der Sohn himself gegeben. Somit haben wir die gleichen Voraussetzungen wie alle anderen Eltern auch.

Bleibt noch die Frage, wie wir tun, wenn er zum Beispiel das Zeiger-Aussehen von 10:05 wissen will. Dann zeigen wir ihm dies auf unseren Uhren: Ich, Jakob, auf meiner Großzeiger-Uhr, ich, Jasmin, auf meiner Uhr mit tastbaren Zeigern…

PS: Am 22.10.2017 gibt es „Wie Regeln entstehen – ein Praxisbeispiel“

 

 

Wieviele Stunden hat mein Tag?

Ein beliebter Stehsatz nicht behinderter Menschen: Gut, da brauchst halt ein bisschen länger, aber gehen tut’s (alleine) schon, oder? Meist – zwar nicht ausgesprochener, jedoch hörbar gedachter – Nachsatz: Aber, das macht nix, ihr habt eh Zeit.

Stimmt das mit Kindern auch noch?
Einen möglichen Lösungsansatz, um diese Frage zu beantworten,  ist wieder einmal unsere Lieblingsstatistik – die Zeitverwendungserhebung der Statistik Austria: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/soziales/zeitverwendung/index.html

  • 65 Minuten Essen zubereiten
  • 58 Minuten Backen
  • 33 Minuten Geschirr abwaschen
  • 63 Minuten aufräumen
  • 19 Minuten Müllentsorgung
  • 45 Minuten heizen
  • 28 Minuten suchen
  • 53 Minuten Wäsche waschen
  • 21 Minuten Schuhe putzen
  • 67 Minuten Handarbeiten, Instandsetzen von Bekleidung
  • 67 Minuten Gartenarbeiten, Pflanzenpflege
  • 52 Minuten Gartenarbeiten, Pflanzenpflege
  • 41 Minuten Haushaltsplanung und –organisation

…sind daraus selektiv zitiert Bereiche, die interessant und relevant sind, wenn ich, Jasmin, die Frage beantworten sollte, wo denn die Zeit so hingeht, weil es sich dabei um Tätigkeiten handelt, die aus meiner Sicht relevant gut illustrieren, dieses „Das-geht-ja-eh“…

612 Minuten ergibt die Liste oberhalb.

Ich erlaube mir, mein über 30jähriges (Selbst)Blindenwissen heranzuziehen, und für die einzelnen „Posten“ Multiplikationsfaktoren zu vergeben:

  • Mal 1,5 bei 65 Minuten Essen zubereiten
  • Mal 1,5 bei 58 Minuten Backen
  • Mal 1,5 bei 33 Minuten Geschirr abwaschen
  • Mal 2-2,5 bei 63 Minuten aufräumen
  • Mal 1,5 bei 19 Minuten Müllentsorgung
  • Mal 1 bei 45 Minuten heizen
  • Mal 3 bei 28 Minuten suchen
  • Mal 1,5 bei 53 Minuten Wäsche waschen
  • Mal 2 bei 21 Minuten Schuhe putzen
  • Mal 3 bei 67 Minuten Handarbeiten, Instandsetzen von Bekleidung
  • Mal 2 bei 67 Minuten Gartenarbeiten, Pflanzenpflege
  • Mal 3 bei 52 Minuten Einkaufen
  • Mal 2 bei 41 Minuten Haushaltsplanung und –organisation

Ergibt in Summe 1243,5 Minuten oder das Doppelte für genannte Tätigkeiten.

Sollte nun der Gedanke entspringen, dass ja es blinde Menschen gibt, die da nicht so lange brauchen, zwei Dinge: Einerseits sehr lesenwert dieser Artikel, andererseits: Wie gesagt, es handelt sich um MEINE Erfahrungen mit MIR in MEINEM lebensweltlichen Kontext.

Ja und, was hat das mit Kindern zu tun?
Würde ich mich nicht bei Tätigkeiten unterstützen lassen können, ginge das auf (Zeit)Kosten meiner Kinder, ja meiner ganzen Familie…

Weil das ja (für mich) niemand wollen können will, VORSICHT bitte bei Aussagen „Das geht eh alleine auch – mit ah bisserl mehr Zeit halt“, denn mein Tag hat auch nur 24 Stunden…;-)

Am 15.10.2017 gibt es „(Wie) Lernen unsere Kinder die Uhr?“