Sind unsere Kinder durch Assistenz verwöhnt?

Immer wieder kommt direkt oder indirekt, dass Assistenz zur Verwöhnung unserer führen würde.

Wie das kommt?

Weil wir, als Familie, DURCH Assistenz ein weitgehend unbehinderten, ja gleichberechtigtes Leben führen und somit das Denken „Diese armen Kinder“ keine Grundlage hat.

Das „Verwöhnen“ ist demnach eine Verwechslung mit „gleichberechtigt“, „alltagstauglich“ oder „normal“.

Konkreter: Dass etwas (für die Kinder) nicht geht, ist der letzte Weg. WIR, Eltern, organisieren es SO, dass es FÜR unsere Kinder ziemlich normal abläuft.

Das dürfte man übrigens auch unter Art 1 im Bundesverfassungsgesetz zu den Kinderrechten verstehen. Und wenn es die Verfassung so sieht, können wir nicht ganz falsch liegen.

Dazu praktische Beispiele/Fragen:

  • Ist es die Aufgabe der Kinder, sich Gedanken zu machen, wie die Eltern am Spielplatz die Aufsicht machen ODER wollen sie, die Kinder, einfach spielen?
  • Ist es die Aufgabe der Kinder, sich zu überlegen, wie die Hausaufgabenkontrolle erfolgt oder wäre den Kinder möglicherweise sogar lieber, wenn diese, die Hausaufgabenkontrolle, nicht funktionierte?
  • Ist es die Aufgabe der Kinder, für die Postlektüre zuständig zu sein, weil die Eltern (sich) das nicht organisieren?

Wenn SIE diese Fragen (eher) mit NEIN beantworten, sind Sie dem Assistenz-Verständnis wieder ein Schrittchen weiter. Gratulation!

Sollten Sie dennnoch zögern, folgenden Abschlussgedanken: Definitionsgemäß setzt „verwöhnen“ Fürsorge voraus, was gesetzesgemäß nicht die Aufgabe ist.

Am 1.8.21 gibt es „Alle guten Regeln helfen drei Mal“

Barrierefrei, kein Bedarf

Als Kontrast zum Artikel der vergangenen Woche, ein Beispiel, dass barrierefreie Zugänge auch den Assistenzbedarf auf 0 setzt – in diesem Fall für mich, Jakob.

Tochter hat Arztbedarf. Ich gehe, weil die Mutter arbeitet und die Brüder in der Schule sind, mit den beiden Töchtern zum Arzt, steige dort in den Lift und wir gehen ganz ohne Assistenz nach Hause – Dank der Barrierefreiheit.

SO einfach könnte es sein.

Am 25.7.2021 gibt es „Sind unsere Kinder durch Assistenz verwöhnt?“

Nicht barrierefrei, daher Bedarf

Es war der 30.6.2021.

Gegen Abend klagt die Tochter über Fussschmerzen.

Die Assistentin, nicht vom Fach, meldet uns rück, dass eine kleine Wunde zu sehen ist.

Daher, ich Jakob, versuche, beim Fusspfleger einen zeitnahen Termin zu kriegen. Das klappt auch, nämlich am Morgen des nächsten Tages.

Allerdings wusste ich auch, dass der Fusspfleger eine ziemlich interessante, nicht kindgerechte Wendeltreppe hat.

Daher trafen wir uns mit der Assistentin, die das zweijährige Kind über die Treppe hinauf und hinuntertrug.

Nein, es wäre keine Option gewesen, Hilfe zu holen, da dann ja die Kinder inzwischen allein gewesen wären. DAS dürfte man dann unter dem Begriff „Kindeswohl(gefährdung)“ zu Recht zusammenfassen dürfen.

Nein, es wäre keine Option gewesen einen anderen Fusspfleger zu suchen: Wir kennen uns und Termine zeitnah zu kriegen, ist nicht leicht.

Nein, es wäre keine Option gewesen, dass Jasmin zu Hause mit der Kleinen wartet – sie arbeitete.

Am 18.7.2021 gibt es „Barrierefrei, kein Bedarf“

Beinahe die doppelte Arbeit

Ich, Jakob, zur Assistentin: „Schreib bitte folgende Zeilen in die Einladung“.

Sie tut.

Sohnemann beginnt „korrekturzulesen“ und bricht sehr bald ab mit den Worten „Das kann ich nicht lesen.“

Was war der Fehler?

Ich, Jakob, habe der Assistentin vergessen zu sagen: „Schreib bitte folgende Zeilen IN DRUCKBUCHSTABEN“ in die Einladung“. Ein Beitrag aus dem Bereich „Kleine Fehler, große Wirkung“.

Am 11.7.2021 gibt es „Nicht barrierefrei, daher Bedarf“

Persönliche Assistenz erleichtert das Leben – nicht!

Stellen Sie sich vor, sie sind 170cm groß und wollen etwas aus einer Höhe von 180cm herunterholen. Es gibt keine Sessel und sonstige „Aufstiegsmöglichkeiten“, sich zu behelfen.
Plötzlich kommt jemand, der 190cm groß ist. Sie bitten ihn, dies für sie zu erledigen und er tut es.

Solche Dinge sind nichts sehr Fremdes, oder? Man könnte auch von Mini-Assistenz sprechen, oder?

Und genau das tun Assistentinnen bei und für uns: Dinge, die nicht – in einem erträglichen zeitlichen Rahmen – alleine gehen, dabei unterstützen sie uns.

„Na Gott sei Dank hab’s die Assistentinnen, dass ihr es ein bisserl leichter habt“

Diese Aussage hören wir oft. Sie sollte spätestens nach oberem Beispiel definitiv nachvollziehbar falsch sein.

Wir haben es durch Assistenz nicht leichter, sondern dies ist die Form, Weise und Grundlage für ein einigermaßen uneingeschränktes Leben – für mich Jakob, für mich Jasmin, für unsere Kinder, ja für uns als Familie.

Am 4.7.2021 gibt es „Beinahe die doppelte Arbeit“

Blind und Kinderwagen – alles kein Problem

Es war der 21.5.2021, als ich, Jakob, anrief und Jasmin bat, drei der Kinder inklusive Kinderwagen bei der Haltestelle abzuholen, sodass ich gleich weiterfahren konnte zur Physiotherapie.

Gesagt, getan, Jasmin wartete bei der Haltestelle, um die Kinder zu holen.

Wie DAS mit Kinderwagen ging?

Überhaupt kein Problem: Ich, Jasmin, ging dem Verkehr entgegen, um gesehen zu werden, linke und rechte Fahrspurbeschränkung war auch kein Problem, weil wenn mich ein Auto der anderen Spur toschierte, wusste ich, dass ich zu sehr in der anderen Spur bin.

Wenn ich zu langsam auf der Straße ging, bemerkte ich das an den Autos, die mich anstupsten.

Und, wie geht es ihrem Blutdruck jetzt?

Ist er hoch und höher? DAS können wir gut verstehen, denn dieses Vorgehen wäre fahrlässig und hoffentlich strafbar.

Was nun stimmt?

Der folgende Satz, der Rest ist erfunden: „Es war der 21.5.2021, als ich,  Jakob, anrief und Jasmin bat, drei der Kinder inklusive Kinderwagen bei der Haltestelle abzuholen, sodass ich gleich weiterfahren konnte zur Physiotherapie“.

Und wie ist es wirklich abgelaufen?

Ich, Jakob, habe Jasmin angerufen, dass sie die Kinder an der Haltestelle holt, mit dem Wissen, dass eine Assistentin mit ihr unterwegs ist. Diese, die Assistentin, hat den Kinderwagen – wir halten von derartigen Experimenten ( „…hatte ich einen Kinderwagen, den ich gut hinter mir her ziehen konnte.“) nichts, zumal sie maximal Einzelkind-tauglich sind – geschoben, auf dem Gehsteig.

Am 27.6.2021 gibt es „Persönliche Assistenz erleichtert das Leben – nicht!“

Dinge, die wir haben, obwohl wir sie nicht brauchen?

  • Kindersitz für das Auto?
  • Handyhalterung für das Auto?
  • Kfz-Stecker fürs Auto?

Diese Dinge haben wir, ob wir sie – beim ersten Hinschauen – gar nicht bräuchten, weil wir kein eigenes Auto haben.

Warum wir sie dennnoch haben? Weil wir, wie berichtet, mit Leihwägen arbeiten, d. h., wir mieten diese, die Assistentin fährt.

Für uns ist klar, dass

  • Kindersitz von uns kommen muss – nicht zuletzt, weil wir verschiedene Autos nutzemn.
  • Handyhalterung und KFz-Stecker ebenfalls von uns kommen muss, sodass die Assistentin Handy laden und für Navi verwenden kann.

Warum wir diese Dinge nicht ausborgen?

Weil es bei regelmäßiger Verwendung kostspielig werden würde und das borgen eines auch impliziert: Man muss die Dinge holen und bringen – was wir zusätzlich planen und organisieren müssten.

Aber man kann ja nicht alles (selbst) haben?
Richtig, daher haben wir auch kein Auto.

Am 20.6.2021 gibt es „Blind und Kinderwagen – alles kein Problem“

Arbeitsteilung

Wir haben schon einmal über wegräumende Assistentinnen berichtet.

Nun geht es um unterstütztes Wegräumen.

Situation: Kind schüttet Glas um.

Schritte: Ich, Jakob, wische und bitte anschließend die Assistentin, diese Tätigkeit an jenen stellen fortzusetzen, wo ich nicht hinkomme.

Und was soll da spannend sein?Nix – ist eine reine Alltags-Praxis-Beschreibung – sorry;-)

Am 13.6.2021 gibt es „Dinge, die wir haben, obwohl wir sie nicht brauchen?“

Ist die Assistentin eine Putzfrau?

Dies hören nicht nur wir, wenn es um Assistenz geht.

Zunächst ein paar Definitionen, die für die Auflösung dieser Inklusionsbehinderung notwendig sind:

  • Definition „Putzfrau“: „Frau, die gegen Entgelt Räume reinigt“
  • Definition „Assistenz“: Hier verweisen wir auf unseren eigenen diesbezüglichen Artikel.

Und diese beiden Termini klären es eigentlich ganz gut, denn praktisch gesehen erfolgt Reinigung kaum raumweise, schon gar nicht stundenweise.

Praktisch ist das EIN weiterer Bestandteil von vielen möglichen Assistenztätigkeiten, was auch der Gesetzgeber so sieht.

Praktisch gesehen kann folgende Situationssequenz „passieren“: Assistentin liest was vor, während Kinder die Küche schmutzfokussiert umgestalten. DANN macht sie, die Assistentin, eine Pause, hilft beim „wiederherstellen“, bevor sie weiterliest.

Am 6.6.2021 gibt es „Arbeitsteilung“

Ist Elternschaft mit Behinderung anstrengend(er)?

Zunächst eine Definition von „anstrengend“: „ermüdend, strapaziös“

Diesmal haben wir es umgedreht, die – mehrheitlich – nicht behinderten Eltern bei den Grazer Mamas befragt – mit der Frage: „UNABHÄNGIG vom Alter der Kinder, setze bitte folgenden Satz fort: Am anstrengendsten mit Kindern finde ich…“

Die Antworten reichten von „laut sein“, „Pubertät“, „geduldig sein“ bis „Auf jede Antwort ein Warum bekommen“.

Soweit die Normalität

Würden wir selbige Frage behinderten Eltern stellen, würde ZUERST vermutlich sowas wie „Von A nach B kommen“ oder „Unterlagen/Alltagsinformation gut lesbar vorfinden“ .

Diese – jedenfalls untersuchenswerten – verschiedenen Empfindungen von „anstrengend“ lassen folgende Schlüssel zu:

  1. Das „Behinderungsanstrengende“ ist ZUSÄTZLICH zum „Normalanstrengenden“ zu sehen, denn zuvor kommt das Kind mit genannten Ausprägungen und ZUSÄTZLICH die „Behinderungsanstrengung“.
  2. Der „Behindertenalltag“ ist möglicherweise SO anstrengend, dass das „Normalanstrengend“ sowieso als solches nicht wahrgenommen wird.

Und was bedeutet das?

Da es unseres Wissens keine Anstrengungspflicht für behinderte Menschen, jedoch Grundrechte für alle Menschen – also auch behinderte Menschen – gibt, ist jedenfalls letzteren der „Vorzug zu geben“, geschützt nicht zuletzt durch Verfassung. Jegliche Bewertung von „zumutbarer Anstrengung“ ist im Sinne von Grundrecht sehr leicht zu beantworten.

Dadurch geht es dann auch nicht mehr darum, ob Unterstützung erleichtert, möglich macht oder sonst was: Behinderte Menschen sind so zu unterstützen, dass sie gleichbehandelt werden zu nicht behinderten Menschen – sagt die Verfassung sinngemäß. Alles andere ist zweck- und sinnlos.

FÜR DIE BEHINDERTEN ELTERN bedeutet, dass man es so (falsch) machen kann, wie wir es hier beschrieben haben und dieses Ergebnis erhalten kann oder man sich dessen bewusst, idealerweise IST, aber zumindest WIRD und entsprechend handelt.

Am 30.5.2011 gibt es „Ist die Assistentin eine Putzfrau?“