Kann man sich „in unsere Lage hineinversetzen“?

Definiert als „sich versetzen, hineindenken“ ist es eine schwierige Frage: Geht man von einem Peer-Ansatz aus, müssten Sie zumindest (gleiche) Behinderungen haben, Eltern sein, KindER haben, kein Auto haben und, und, und – mit einem Wort: so sein wie wir.

Da dies eher schwierig ist, hat das Hineinversetzen ziemlich bald mal Grenzen, wenngleich es bis zu einem gewissen Grad möglich sein wird.

Das geht natürlich nicht nur Ihnen so, sondern auch uns: Wir können uns hineinversetzen, dass zwischen einem Kind und Kindern ein Unterschied ist. Weiters können wir uns hineinversetzen, wie das Leben ohne (fixes) Auto ist – in der Stadt lebend. Bereits am Land lebend mit genanntem Setting ist es mit dem Hineinversetzen eher vorbei.

Und so sollte es auch Ihnen gehen, wenn Sie sich das nächste Mal in „unsere Lage hineinversetzen“ (versuchen).

Am 20.10.2019 gibt es „Mit Sicherheit nicht behindert“

Inklusion(skampf) als Beschäftigungstherapie

Wir haben schon einmal über das so genannte Postheft berichtet und wie wir es (nicht) gelöst haben.

Einen Aspekt haben wir darin jedoch vergessen. Jenen Aspekt, der eher der Alltag ist: Jene Informationen, die nicht direkt von der Lehrerin kommen und somit nicht digital vorhanden sind – für niemanden.

Man denke dabei an Informationen wie Elternverein, Milchgeld,und, und, und….

Klar, wäre uns langweilig und würden Inklusion seeeehr ernst nehmen, könnten wir jeden einzelnen Zettel (digital) nachrennen.

Wir sind überzeugt: Den Großteil bekämen wir auch digital – ob  barrierefrei oder nicht, bleibt offen. Die  Zeit, die das jedoch kostet, zahlt uns keiner und  stehlen wir letzten Endes unseren Kindern.

Hervorragend eignen würde sich dieses inklusionskämpferische Dasein auch als Beschäftigungstherapie, keine Frage.

Am 13.10.2019 gibt es „Kann man sich „in unsere Lage hineinversetzen“?“

Wie Assistenz die Kinderzahl jedenfalls beeinflusst

Ja, wir wissen und haben selbst schon mehrmals festgehalten: Egal, wie viele Kinder wir hätten, die Assistenz ist für U N S und daher die Anzahl der (zugleich arbeitenden) Assistentinnen für einen von uns immer 1, weil wir auch immer 1 sind, obschon ab einer gewissen Kinderanzahl Teilung ganz praktisch wäre…;-)

Unabhängig davon, beeinflusst aus unserer Sicht die Verfügbarkeit von Assistenz die Kinderanzahl: wäre dieses Menschenrecht noch gar nicht umgesetzt, es einige andere Dinge auch nicht gäbe oder  verunmöglichen würde und daher sehr wahrscheinlich kein Kind am Besten, ein Kind vermmutlich noch irgendwie, wir sagen es bewusst, SCHAFFBAR wäre.

Da denken wir z. B. daran, dass  mit mehreren Kindern das ÜBERBLICKEN, nicht die darauf fussenden Entscheidungen, ein Thema ist.

Weiters hätten wir vermutlich unter größtem Energieaufwand die Ermöglichung unserer Unterstützungspflicht als Eltern beim Schulbesuch ziemlich uncool handhaben können.

Ein weiteres Thema sind „Ordnungssysteme“: EIN Kind macht weniger Unordnung als drei. Und bei der Unordnunng gibt es auch jene Unordnung, die so gar nicht barrierefrei ist: Man denke an Puzzlebauen als blinder oder sehbehindeter Mensch: Zwar als Beschäftigungstherapie geeignet, aber für nichts mehr.

Der „Großraum Mobilität“ unterscheidet sich ebenfalls jedenfalls, wenn die Kinder eine gewisse Altersnähe haben: Ein Kind ist zu einer Geburtstagsfeier zu bringen, ein weiteres zum – sagen wir – Arzt zu begleiten. Natürlich kann man auch durch EIN Kind diese Wege haben, diese Wege sumieren, eher multiplizieren, sich bei mehreren Kindern sehr wahrscheinlich.

Und der Champion der Beispiele: Spielplatz: Ein Kind macht gleichzeitig immer eine Sache, weil es eben nur eines ist. Zwei oder drei Kinder machen doch seeeehr selten, nicht zuletzt altersunterschiedsbedingt, das gleiche. Ja, und da wären wir wieder beim Überblick(en).

Und wie tun da andere?
DAS würde uns auch interessieren.
Um sinnvolle Vergleiche ziehen zu können, wären u. A. relevant:
1) Kinderanzahl (Ist sie größer als 1?)
2) Wenn 1) zutrifft, wie groß ist der Altersunterschied: Sind die Kinder z. B. 3, 14 und 19, so wird Spielplatz, Lego u. Ä. für die beiden älteren (momentan) ausfallen…
3) Der Wohnort: Wir wissen aus eigener  Kindheit, dass es „am Land“ anders läuft.

Dass es für die Unterstützungsnotwendigkeit auch nicht mit der Kinderanzahl unbedingt zusammenhängen muss und die Unterstützungsnotwendigkeit dennnoch besteht, ist hier auch sehr gut nachzuhören: Der  Bedarf ist sehr ähnlich, die benötigte Zeit in vielen Bereichen mit ziemlicher Sicherheit nicht.

Am 6.10.2019 gibt es „Inklusion(skampf) als Beschäftigungstherapie“

Wie Technik unser Leben verändert hat

Wir werden einerseits beleuchten, wie uns die Technik unser Elternsein unterstützt bis beeinflusst, wo sie, die Technik, uns hingegen nichts bringt oder erleichtert, ja unter Umständen sogar erschwert.

Thema Kommunikation mit Schule und Kindergarten
Hier bietet uns die Kommunikation durch Mail den „Postverkehr“ mit den genannten Institutionen: In der Schule bekommen ALLE Eltern – behindert oder nicht – Elternbriefe per Mail, schnelle und kurzfristige Nachrichten per SMS, also aufs Handy.
Im Kindergarten bekommen zwar – unseres Wissens – nicht alle die Aushänge per Mail, wir aber schon. Generelle Infos werden gerne mal per WhatsApp geschickt, an alle, egal, ob behindert oder nicht.

Thema Hausübung(sunterstützung)
Da ist die Digitalität nicht eine große Hilfe, sondern Grundlage: Sobald etwas digital einigermaßen gut aufbereitet vorhanden ist, können wir gut damit arbeiten und somit unsere Kinder unterstützen. Dass dies möglich wird, ist der Mensch, der das dementsprechend umsetzt, notwendig.

Thema Mobilität
Da wird es durch Technik möglich, zu sehen, WANN der z. B. Bus kommt. Ist alles planmäßig bei Zeit und Ort, ist das eine große Hilfe. Ist’s nicht planmäßig, ist eine solche Info schlicht sinnlos, weil sehr oft das WO dann unklar ist, d. h. die Technik hilft gar nicht.
Beim Planen von Wegen mittels Navi kann gerade in Städten die Genauigkeit bis auf ein paar Meter oft mehr Fluch als Segen sein, denn zwischen Hausnummer 11 und 13 ist mindestens ein (Haus) Unterschied.

Thema Einkaufen
Zu diesem Thema gibt es einige Zugänge und Tools. Wir verwenden jedoch dazu keines, weil es schlicht eines nicht löst: WO ist WAS genau. Dass das oft verschieden ist, hat auch einen Namen: Marketing.

Thema Post
Durch so genannte Texterkennung kann Textinhalt solange gelesen werden, solange er nicht zu graphisch oder sonst wie „textunrein“ formatiert ist. Dennoch: Gerade  bei Bankdaten u. Ä. ist sehendes Auge ganz gut.

Thema Ämter und Formulare
Da wäre – in Österreich – dementsprechende gesetzliche Verpflichtung da, mit der Umsetzung ist man eher noch hinten.

Thema behinderungsbedingte Alltagsorganisation
Durch – selbst konzipierte und entwickelte – Datenbanksysteme haben wir die Möglichkeit geschaffen, barrierefrei, effizient und transparent Assistenz zu koordinieren – ohne Steuerberater und Co, d. h. auch noch kostengünstig.

Mit diesem Text nehmen wir an der Blogparade der Bloggerkollegen von Anders und doch gleich zum Thema Wie Technik mein Leben verändert teil.

Am 29.9.2019 gibt es „Wie Assistenz die Kinderzahl jedenfalls beeinflusst“

 

Lang ist’s her

Am 16. September vor drei Jahren haben wir begonnen, zu bloggen.

DANKE für die (Lese)Treue!!!

Als kleines Geschenk haben wir die Rubrik „JETZT ist schon wieder was passiert“ eröffnet, in der wir Unfälle mit und von Kindern dokumentieren werden, um dadurch einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, das belegbar die Unfallgefahr durch behinderte Eltern nicht belegbar und ein reines Vorurteil ist.

Am 22.9.2019 gibt es „Wie Technik unser Leben verändert hat“

 

Fehler sind auch behindert

Es war der 7.7.2019, ein Sonntag, als es um 7:00 an der Türe läutet. Einmal. Zweimal. Dreimal. Also, an einen Zufall nicht zu denken.

Es stand die Assistentin vor der Tür. Insoweit verwunderlich, weil Sonntag war und Ferien waren.

Warum? Weil ich, Jakob, über die Spracheingabe Siri 09:30 diktierte, Siri 7:00 hinschrieb und ich mir dies vor dem SMS-Senden nicht durchlas.

Fazit: Die Assistentin hat – richtiger Weise – nicht nachgedacht und -gefragt, sondern einfach getan. Im darauffolgenden Gespräch merkte sie – zu Recht – schon an, dasss ihr  das seltsam vorkam aber – Zitat – „wenn ihr das so wollt, dachte ich nicht drüber nach.“

Merke: Auch behinderte Menschen dürfen sich irren, man braucht sie davor nicht zu bewahren, die Konsequenzen haben sie, die behinderten Menschen, natürlich selbst(bestimmt) zu tragen.

Am 15.9.2019 gibt es „Lang ist’s her“

 

Fakten und Daten als NEIDTherapie

Wie schon öfter geschrieben, hören wir, wenn wir Bedarf artikulieren, immer wieder den Satz „Ich kann ja auch nicht…“ gefolgt von mehr oder minder zutreffenden Vergleichen.

Genau dieser Neidkrankheit wollen wir nunmehr Abhilfe schaffen: Durch Zahlen und Fakten.

Will heißen: Bevor Sie in Zukunft diesen Satz in den Mund nehmen, fragen Sie sich VORHER: „Warum glaube ich es nicht zu können? Gibt es Fakten (das ist das mit den Zahlen), wie das der Durchschnitt macht?“.

Erst, wenn dieses „Ich-kann-ja-auch-nicht“ die Zahlen und Fakten bestätigen, DANN dürfte was dran sein.

Ein Beispiel aus der Praxis.

Wir: Wir brauchen auf den Spielplatz Assistenz – circa zwei Stunden am Tag.

Gesprächspartner: Das sind dann über 700 Stunden im Jahr. Ich kann ja auch nicht immer auf den Spielplatz gehen.

So, helfen Sie uns helfen: Die Statistik Austria sagt zum Thema Spielplatz: Haupttätiger Weise machen das Mutter und Vater jährlich gesamt an 979,4 Stunden, d. h. wir liegen mit 700 Stunden deutlich unter dem Durchschnitt, sohin fällt an diesem Beispiel die „Ich-kann-ja-auch-nicht“-Aussage objektiv ins Wasser. Der Vollständigkeit halber: Wenn nun der Einwand kommt, es können sich doch nicht beide Elternteile haupttätlich am Spielplatz aufhalten: Wenn dies „nur“ die Mutter haupttätig und der Vater nebentätig tut, sind es dennoch  711,75 Jahresstunden – daher noch immer klar in der „statistischen Zone“.

MOMENT! Statistisch ist jedoch „Spielplatz“ und „Spielen mit Kindern“ zusammengefasst – dabei werdet ihr wohl nicht überall Hilfe brauchen
Offensichtlich fliesst das nicht nur bei uns ineinander – sonst hätte man es statistisch sicher auch getrennt dargestellt. Sollten Sie andere Daten haben, bitte um Kommentierung.

Sollte das Argument kommen, fürs Recherchieren keine Zeit zu haben, folgende Frage: Für Neid ist Zeit und auf Wissen wird geschi…..?

Fazit: Zahlen schützen gegen Neid und fördern Gleichberechtigung und Objektivität. Zudem helfen sie bei Falscheinschätzungen AUFGRUND VON SUBJEKTIVITÄTEN.

PS: Die Zeitverwendungen aus Deutschland zeigen diesbezüglich ein sehr ähnliches Bild.

PPS: Am 8.9.2019 gibt es „Fehler sind auch behindert“

Drehfussball

Es war der 12.4.2019, als der ältere der Söhne die wahre Liebe entdecke: Drehfussball.

Und da Liebe  gerade am Anfang gepflegt werden muss, um zu schauen, ob man „überhaupt zusammenpasst“, half ich, Jakob, ihm beim Pflegen dieses Kontakts.

Problem: Ich, eine voll funktionsfähige Hand, kann nicht zweihändig Drehfussball spielen, er, zweihändig, will nicht einhändig spielen.

Die Lösung: Die Assistentin spielt mit ihm – in meinem Beisein natürlich.

Hat(t)e er keine Freunde zum Spielen?
Darum geht’s nicht: Er war mit mir und Assistenz unterwegs, wollte Drehfussball spielen, daher diese Lösung – alleine ist’s schließlich langweilig und unmöglich, zu zweit Drehfussball zu spielen.

Ein echtes Beispiel für Ersatz von De– nicht mehr und nicht weniger.

Am 1.9.2019 gibt es „Fakten und Daten als NEIDTherapie“

Hitliste des Helfens

Wir haben schon zahlreiche Artikel geschrieben, in denen das Thema „Helfen“ Thema war.

Nachfolgend haben wir eine Hitliste des Helfens gesammelt, d. h. jene Themen und Tätigkeiten, wo Menschen glauben, dass sie uns  helfen:

  • Wenn ihr mal ein Auto braucht, dann meldet euch ruhig.
  • Soll ich mit den Kindern mal auf den Spielplatz gehen?
  • Braucht ihr einmal Hilfe beim Einkaufen?
  • Soll ich einmal lesen mit dem Sohn?
  • Kochen, kann ich euch da mal irgendwie helfen?

Lesen Sie diese  oben genannten  Zeilen bitte nochmals und denken Sie dabei: Sie sind Eltern, haben KindER, würde diese Hilfe helfen, wenn Sie Ihnen angeboten würde? Natürlich zur Zeit, an der der Helfer Zeit hat, eh klar – ist ja schliesslich gratis.

DAS würde Ihnen nicht helfen? DANN haben SIE auch verstanden, warum es uns für den oben beschriebenen Alltag nicht hilft!

Zudem gibt es bei diesen Hilfsangeboten ein Wörtchen, das Beachtung verdient: (ein)mal. Dieses deutet nicht unbedingt auf große  Bereitschaft zur relativen Dauerhaftigkeit hin: Weder irgendwann, noch eines Tages oder später bringt bei diesen Beispielen niemandem etwas – außer ihrer Gewissensberuhigung möglicherweise.
Zweifelsohne gibt es Szenarien, Orte und Vorstellungen, dieses Hilfsangebotsverständnis an den Mann oder die Frau zu bringen, für ein Leben wie du und ich mit einer Länge von 365 Tagen ist’s meist zuwenig.

Und was wäre nunmehr „richtiges Helfen“?
Wir denken, dass punktuelles, nicht selbst wählbares Helfen für jeden Menschen natürliche Grenzen hat – was auch dementsprechende Rechtssprechung bestätigt. Dort, wo die Selbstbestimmung des Unterstützten UND die zeitlichen Ressourcen des Unterstützers leiden, ist definitiv eine Grenze erreicht. Dieses Eingeständnis ist man sich gegenseitig schuldig.

Merke: Dinge der täglichen Normalität wie die obigen, unvollständigen Beispiele haben zu funktionieren , weil eben täglich. Bei nicht derartig normalpunktuellen Dingen ist ein punktuelles Helfen klarerweise kein Thema, ja für jeden normal, hoffentlich.

Am 25.8.2019 gibt es „Drehfussball“

 

 

Stänkern wir auf hohem Niveau?

Diese Frage – finden wir – ist absolut berechtigt und zugleich auch falsch, WENN man stänkern als „mit jemandem, etwas nicht einverstanden sein und daher – mehr auf versteckte, nicht offene Art – gegen ihn, dagegen opponieren“ versteht.

Denn: Wir tun es nicht heimlich, sondern – so denken wir – thematisieren wir Dinge, die ausschließlich dem Grundrechts- und Gleichheitsrechts-Gedanken entspringen (sollten). Außerdem, wer bloggt, so vermuten wir, tut das in Zeiten von Internet nicht sehr heimlich.

Und  das mit „hohem Niveau“?
Wenn man  Gleichberechtigung ernst nimmt, darf es keinen Niveauunterschied geben – komplizierter ist’s schon nicht. Denn: Gleichberechtigung orientiert sich NIE an Einzelvergleichen a la „Ich kann ja auch nicht…“, sondern mindestensfalls an statistisch-repräsentative Daten, so solche vorhanden.

Am 18.8.2019 gibt es „Hitliste des Helfens“