Ein echt inklusiver Satz

Es war der 1. Dezember 2016. Der Kindergarten, besser seine Mitarbeiterinnen, hat beschlossen, dass Eltern einen Adventkalender bekommen: Jeden Tag ist ein anderer Elternteil dran, ein Türchen aufzumachen.

Die zwei berechtigten Fragen:
1) Wie wir davon erfuhren und – noch viel wichtiger –

2) welches Türchen betrifft uns?

Die Leiterin entschloss sich sehr mutig, den Hausverstand anzuwenden, indem sie – beim Hinbringen des Sohnes – sagte: „Da oberhalb hängt ein Adventkalender für euch Eltern. Ihr habt die Tür 20. Diese hängt direkt oberhalb des Platzes vom Sohn.“

SO wussten wir nicht nur, wann wir öffnen dürfen, sondern auch WO.

Wow, so viel Inklusion und Informationen in einem Satz. Das muss ein Profi sein…;-)

Am 22.7.2018 gibt es „Behinderung, Familie und Spontaneität – verträgt sich das“

Wenn überhelfen zusätzliche Arbeit macht

Behinderten Menschen wird bekanntlich ja viel geholfen. Ob sie das immer (so) wollen, sei dahingestellt.

Blöd wird’s, wenn ÜBERgeholfen wird, d. h. Hilfe angeboten wird, die entweder zu viel oder gar nicht möglich ist im Augenblick.

Zu letzterer Kategorie ein Beispiel: Für älteren Sohn war ein Formular auszufüllen in einer Spielgruppe. Die aushändigende Person gab uns dieses mit den Worten: „Ich hab das schon ausgefüllt für euch.“  Als wir es dann zu Hause noch unterschreiben wollten, machte uns die Assistentin darauf aufmerksam, dass der Name falsch ist – es war der Name des Bruders.

DAHER: Wir brauchten ein neues Formular, das wir dann selbst(bestimmt) ausfüllten.

Was da eigentlich passiert ist? Die ausfüllende Person des ersten Formulars hatte dafür null Zeit und machte es trotzdem. Am Ende mit größerem Aufwand, als üblich.

Die Moral der Geschichte: Helft wirklich NUR, wenn ihr dafür Zeit habt. Wenn’s sich’s mal nicht ausgeht, auch ok!!!;-)

Am 15.7.2018 gibt es „Ein echt inklusiver Satz“

 

WAS ist die Assistentin?

Nein, jetzt kommt keine Erklärung, was Assistenz nicht tut oder tut, sondern wie die Person der Assistentin wahrgenommen wird, welche Rolle sie (nicht) inne hat.

Dass das für Dritte nicht immer eindeutig schheint, zeigte wiedereinmal der 26.5.2018.

An diesem sehr schönen Samstag fuhr ich, Jakob, einkaufen. Ich wäre nicht der Vater, der ich bin, würde ich mich nicht der (Buben)Kindermehrheit beugen, wenn es darum geht, nach anstrengendem Einkaufen Eis essen zu gehen. So auch an besagtem 26.5.2018.

Also gingen wir, die beiden Söhne, ich und die Assistentin Eis essen.

Beim Zustellen der Bestellung meinte der Kellner in Richtung der Buben: „Wenn es euch nicht mehr schmeckt, soll’s die Mama essen“. Assistenzmama nahm das schweigend zur Kenntnis, auch die echte Mama akzeptierte es wortlos, denn sie war ja nicht dabei…;-)

Nein, ich, Jakob, hielt keinen Vortrag über Persönliche Assistenz, Selbstbestimmung und, und, und – ich schwieg einfach.

Die Moral der Geschichte?

Das Konzept von Assistenz und seine Verbreitung dürfte noch nicht ganz gelungen sein – in Richtung der „Normalbevölkerung“.

Neben beschriebener „Funktion“ hören wir immer, bei der Beschreibung der Rolle dieser Drittperson:

  • Schwester
  • Frau
  • Freundin

Im Oktober 2017 hörte ich, Jasmin, einmal „Tochter“ bei der Beschreibung der Assistentin. Nuuuun, sooooo alt fühle ich mich noch nicht UND hoffe auch nicht, auszuschauen…;-)

Am 8.7.2018 gibt es „Wenn überhelfen zusätzliche Arbeit macht“

 

 

Unsere Kinder als künftige Gratis-AssistentInnen?

Über dieses Thema diskutier(t)en wir beide viel und eigentlich umsonst, denn wir sind uns da sehr einig: Für unsere minderjährigen Kinder gilt, wie für alle ihre KollegInnen nicht behindeter Eltern auch, das natürliche, altersgemäße Mithelfen, jedoch sicher  nicht die Übernahme von kind- und altersungerechten Aufgaben aufgrund dessen wir beide eine Behinderung haben.

Wie gesagt, uns ist das wichtig. Zudem, ist uns keine Rechtsquelle bekannt, die besagt, dass minderjährige Kinder altersUNangemessene Aufgaben AUFGRUND einer elterlichen Behinderung übernehmen müssen. Sofern wir hier falsch liegen, bitte die Kommentarfunktion nutzen, danke!

Würden wir das anders handhaben, stellen sich Fragen, wie sie hier zu lesen sind: https://lydiaswelt.com/2018/05/07/begleitung-muss-nicht-erwachsen-sein/

Aus unserer Sicht ist es bei Minderjährigkeit von (eigenen) Kindern immer etwas, sagen wir, komisch, diese als Begleitperson zu verwenden, denn bei aller Selbstbestimmung hat jede Begleitperson in irgendeiner Weise Verantwortung. Und dann wäre es umso „witziger“, wenn plötzlich das minderjährige Kind für mich als Elternteil die Verantwortung hätte. Was wäre z. B., wenn der minderjährigen Begleitperson etwas passiert: Dann hätten wir einerseits als Eltern für das Begleitungspersonen-Kind die Verantwortung, die Begleitperson, also das Kind, für uns die Verantwortung.

Diese Kindelternbegleitpersondochkindaberdochnicht-Verantwortung wird nicht nur kompliziert, sondern ist sie auch, wenn man sicjh Artikel wie diesen durchliest: https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/174/Seite.1740302.html

Zur Klärung: Der Duden definiert Begleitperson als „mit jemandem, etwas zur Gesellschaft, zum Schutz mitgehen“ (https://www.duden.de/rechtschreibung/begleiten#b2-Bedeutung-1a). Die gesellschaftliche Komponente deckt das minderjährige Kind ab, den Schutz wird ein minderjähriges Kind nicht abdecken (dürfen).

Am 1.7.2018 gibt es „WAS ist die Assistentin?“

Behindert und trotzdem verschieden

Diese hoffentlich klare Sache wollen wir an folgendem Beispiel illustrieren: Ich, Jakob war im November 2017 mit dem dreijährigen Sohn in der so genannten Regenbogenwelt.

Ich „kannte“ diese bereits aus Jasmins Erzählung, die zuvor mit den Kindern schon dort war. Sie gab mir auch den Tipp, Assistenz mitzunehmen.

Gesagt getan, ging ich mit Sohn, Assistentin und meiner Wenigkeit dort hin. Rund zwanzig Minuten später schickte ich die Assistentin nach Hause, weil sie mir zuvor beim Automaten einen Kaffee geholt hat, mir die Toiletten usw. zeigte und ich mich somit gut orientieren konnte, weil ich für mich eine gewisse Linearität erkennen konnte.

Und warum hat das Jasmin nicht so gemacht?

Weil bei ihr aufgrund von Vollblindheit einerseits Orientierung anders läuft als bei mir, Jakob, andererseits, weil die Geräuschkulisse die Orientierung vollblind ziemlich unmöglich macht.

Fazit: Vom Gesetz möglicherweise ähnlich bis gleich behandelt, sind Unterstützungsbedarfe unterschiedlich. Die Unterschiedlichkeit wiederum hängt von vielen Faktoren ab. Also dürften die Behinderten doch individuell sein?;-)

 Am 24.6.2018 gibt es „Unsere Kinder als künftige Gratis-AssistentInnen?“

Konsequenz kennt keine Pause

ODER: Wie leicht man das Zepter aus der Hand gibt

Es war im Februar 2018, als der ältere unsere Söhne still und rein nonverbal der Assistentin zu verstehen gab, dass sie ihm die Schuhe anziehen möge.

Die Assistentin fragte, bevor sie das tat, bei mir, Jasmin, rück, ob sie das darf – also hat sie goldrichtig gehandelt und ihren Job verstanden.

Warum sie das tat?

Da gibt es jetzt zwei Möglichkeiten:

  • Sie hat intrinsisch Assistenz verstanden oder
  • Regel 23 befolgt, wonach sie, bevor sie „Kinderwünsche“ erfüllt, uns fragt.

Ich denke, es ist ein Beispiel, wie schnell und leise es ginge, mir Überblick, Verantwortung und Entscheidung aus der Hand zu nehmen – wenn ich es zulassen würde.

Am 17.6.2018 gibt es „Behindert und trotzdem verschieden“

 

„Dann habt ihr ja kein Geld mehr“

Es war der 14. April 2018.

Ich, Jasmin, habe die Unterlagen meines persönlichen Budgets zusammengesucht, da die Behörde diese für die zweckmäßige Kontrolle anforderte. Dabei sorgte mein älterer Sohn für Nicht-Langeweile meinerseits, indem er redete, redete, redete, redete. Ach ja, und was ich bald vergessen hätte: Geredet hat er auch…;-)

Dann, die Frage aller Fragen: Wer zahlt die Assistentinnen? Meine Antwort, nicht bedenkend, dass das beim Kind eventuell anders ankommt: Wir.

Seine Augen wurden groß und größer und er sagte: Dann habt ihr ja kein Geld mehr.

Wie gesagt, die Antwort war für einen Sechsjährigen eventuell ein bisschen voreilig, aber ich habe ihm die gesetzliche Regelung des Persönlichen Budgets, die dazugehörige Leistungs- und Entgeltverordnung, Selbstbestimmung und und und ersparen wollen.

Mit sieben Jahren vielleicht dann…;-)

Was aber offensichtlich wirklich kinderleicht zu verstehen ist: Wenn ich für meine Behinderung selbst aufkommen muss, macht das Familie arm. Wenn DAS ein Sechsjähriger versteht, soll’s für die Siebenjährigen und jene, die noch älter sind, gut gehen…;-)

Am 10.6.2018 gibt es „Konsequenz kennt keine Pause“

Sollten die Assistentinnen untereinander Dienste tauschen und ausmachen?

Wir hören immer wieder, dass es AssistenznehmerInnen gibt, die es gut und richtig finden, dass sich die Assistentinnen untereinander austauschen können, um zum Beispiel Dienste zu tauschen, Ersatz zu suchen usw.

Warum wir das nicht wollen? Weil wir gerne wissen, wer wann kommt – schließlich sind wir alle Menschen mit unterschiedlichen Vorlieben etc.

Und dann gibt es noch den „Großraum“ Administration: WIR sind letztverantwortliche „Instanz“, wenn es um Einhaltung von Tagesgrenzen, Geringfügigkeitsgrenzen etc. geht – und da sind wir gleich und gerne von Beginn an verantwortlich.

Am 3.6.2018 gibt es „Dann habt ihr ja kein Geld mehr“

Selbstbestimmung als vertane Chance für Hyperintelligenz?

Ja, wir wissen es geht immer um selbst(bestimmtes) Leben. Ist das aber intelligent?

Eigentlich, würden wir nicht so selbstbestimmt leben (wollen), unsere HilfserzieherInnen und sonstigen – ungefragten – Consultant-Persönlichkeiten tun lassen, so hätten wir zu jedem Thema mindestens 10 Meinungen: Einige Assistentinnen, Eltern, Straßen-Passanten, die ungefragt ihre Meinung äußern und, und, und….

Mit anderen Worten: Wir könnten ein direktes Pool an Wissen und Meinungen werden und – in anderen Worten – ein Buffet der Meinungen aufbauen, aus dem wir wählen.

Warum wir das nicht tun und wollen?

  • Wir sind eigenständige Personen.
  • Wie jeder andere auch entscheiden wir aufgrund von Erfahrungen, Vorlieben, Kenntnissen und, und, und.
  • Schön, wenn jeder seinen Senf dazu gibt, die (möglichen negativen) Konsequenzen haben wir zu tragen.

Also, lass‘ ma das lieber mit unseren MöchtegernhelferInnen und werden weiterhin selektiv (nicht) zuhören, wenn gut gemeinte Ratschläge kommen…

Am 27.5.2018 gibt es „Sollten die Assistentinnen untereinander Dienste tauschen und ausmachen?“

Stört Assistenz?

Wir hören immer wieder:  Also, ich würde das nicht wollen, wenn da ständig wer dabei und um mich ist.

Gemeint ist die Anwesenheit von Assistenz.

Keine Sorge, das passiert nicht:

  • Die Behörde schaut schon, dass es ja nicht zu viele Stunden sind.
  • Wir teilen gut und sinnvoll ein, wann und wann NICHT Assistenz notwendig ist.
  • Wenn mal der z. B. ganze Tag ein „Assistenztag“ ist, wie z. B. bei Ausflügen, dann ist’s halt so und um so wichtiger ist es, dass es die „richtigen“ Menschen sind und diese, die richtigen Menschen, wissen, wie sie sich zu verhalten zu haben.

Eine Gegenfrage zu dieser Frage: Stören Sie sich an der ganztägigen Anwesenheit ihrer Augen und/oder Beine? Nein? Dann sind sie als Assistenznehmer gut geeignet…;-) Stehen Sie auf und suchen Sie sich eine Behinderung aus!;-)

Am 20.5.2018 gibt es „Selbstbestimmung als vertane Chance für Hyperintelligenz?“