Hilfe anbieten, um zu beschleunigen?

Über Hilfe (richtig) (nicht) anbieten, wurde schon viel gesagt und geschrieben.

Am 04.05.2019 durfte ich, Jakob, DIE Art von „Hilfe anbieten“ (wieder einmal) erfahren, die ich so gar nicht mag.

Die Situation: Ich hole  beim Automaten Milch – tue dies fast jeden Samstag. 11 Liter. Letzte Information bitte merken, denn sie wird noch wichtig.

Der Automat hat nur zwei Knöpfe, der Füllstand der Milchflasche ist gut spürbar, weil, dadurch, dass es Frischmilch ist, die vollen Stellen kalt sind – keine Assistenz oder sonstige Hilfe notwendig.

DAS dürften nur nicht alle richtig beobachten (WOLLEN), denn am besagten Samstag, nach cirka der Hälfte der 11 Liter, sagte eine junge Dame sehr entnervt, aber  freundlich: „Darf ma vielleicht helfen?“.

Ich: Nein, danke.

Sie: Doch, dann geht’s schneller.

Ich: Was? Rinnt bei Ihnen die Milch schneller aus dem Automaten?

Sie: Hm, nein aber es ginge schneller.

Ich: Was? Dass die Milch schneller rinnt?

Sie: Nein, das nicht.

Ich: Sonst tut der Automat ja auch nix, oder?

Sie: Nein, aber sie können die Hilfe sicher brauchen.

Ich: Wobei denn?

Sie: Ich mein ja nur.

Ich: Was?

Sie: So halt.

Ich: Ah, jetzt verstehe ich. (Zugegeben: Mit schwerer Ironie in der Stimme)

Der nächste Kunde in der Reihe erklärte mir dann, dass man mit zwei Händen die Flasche besser halten kann. Auf derartige Dummheit wusste nicht einmal ich dann was drauf.

Am 23.2.2020 gibt es „Selbst lesen oder nicht – beides möglich“

 

 

 

Erziehungsvorstellungen, Familienbild und Assistenzbedarf

Inspiriert von diesem lesenswerten Artikel, machen wir uns nachfolgend Gedanken über den Zusammenhang zwischen Erziehungsvorstellungen, Familienbild und Assistenzbedarf und Reinigung.

Wie das zusammenhängt?
Einerseits: Je weniger jemand zu Hause ist, desto weniger Schmutz entsteht (in der Küche). Andererseits: Je mehr die Kinder zu Hause und je kleiner die Kinder sind, desto mehr Schmutz entsteht (überall).

Ob und (wieviel) die Kinder zu Hause sind, ist in Österreich im Kindergartenalter weitestgehend Elternentscheidung.

Jedoch auch in der Schule trifft das zu: Besuchen sie nicht die Nachmittagsbetreuung, sind sie z. B. in der ersten Klasse spätestens um 13:00 zu Hause.

Es entspricht sowohl unserem Familienbild, als auch unseren Erziehungsvorstellungen, dass wir möglichst viel Zeit unseren Kindern zur Verfügung stellen.

Dies bedingt auch, dass das Thema Schmutz anders behandelt werden muss, als wären sie nicht so viel zu Hause: Einerseits machen sie einfach mehr Schmutz dadurch (weil auch mehr Zeit dafür ist;-)), andererseits machen sie ihn auch unkontrollierter: mal im Wohnzimmer, mal in der Küche, und, und, und…

Wären sie weniger zu Hause, würden sich einerseits die Schmutz-Locations minimieren, andererseits generell – ob der kleineren, zeitlichen Präsenz – die Zeit für die „Tätigkeit“ weniger sein.

Dass sich damit der Assistenzbedarf anders lagert, dürfte sohin relativ klar sein.

Das betrifft im Übrigen natürlich nicht nur Reinigung, sondern auch Einkauf und sonstige alltägliche „Gebiete“.

Aber das ist bei uns auch so
Ja eh – ist ganz normal familiär – das denken wir auch. Je fachlicher die Welt jedoch, desto unnormaler wird diese Normalität, unserer Erfahrung nach.

Am 16.2.2020 gibt es „Hilfe anbieten, um zu beschleunigen?“

Dauert Assistenz durch Kinder länger? – Teil I

Nonanet, werden Sie jetzt intuitiv sagen – und Sie haben Recht:

Verglichen zum Jahr 2012, ein Jahr, in dem wir ein Kind mit einem Jahr Alter hatten, dauerte ein Assistenzeinsatz um rund 60% kürzer als im Jahr 2019, in dem wir vier Kinder haben und – alters- und (dadurch) entwicklungsstandsbedingt – Dinge wie u. A. Spielplatz, Büchervorlesen und -adaption, Begleitung zu sonstigen Veranstaltungen und Freunden und Schule DAZUgekommen sind.

Am 9.2.2020 gibt es „Erziehungsvorstellungen, Familienbild und Assistenzbedarf“

Inklusion kapieren, Assistenz ignorieren

Inklusion ist in etwa, dass alle „ganz normal“ in der Gesellschaft leben.

Unserer Erfahrung nach dafür aber auch notwendig, dass nicht nur die behinderten Menschen selbst „normal“ behandelt werden, sondern auch, dass das Umfeld „normal“ bleibt, wenn behinderte Menschen Assistenz mithaben.

Sehr oft reagiert Umfeld nämlich dadurch, dass man sich Übergebühr bei der Assistentin für ihre (bezahlte) Zeit bedankt bis hin, dass man die Assistentin beginnt einzuteilen.

Keiner dieser beiden Szenarien ist inklusiv.

Inklusiv ist: Die Assistentin ist da. Hat natürlich Grundbedürfnisse wie Trinken etc., braucht jedoch keine Sonderbehandlung – oder ändern sie ihr Verhalten, nur weil jemand Augen (mit)hat? Wahrscheinlich nicht.

Wissen Sie warum? Weil sie, die Augen, etwas Normales sind. Und genau SO hat Assistenz auch gesehen zu werden.

Aber sie sind auch nur Menschen…
…ist vielleicht Ihr Einwand, der natürlich stimmt.
Was aber in dieser Überlegung fehlt, ist ein kleines Wörtchen: arbeitend.
Und dass arbeitende Menschen nach gewissen Rahmenbedingungen arbeiten MÜSSEN, dürfte relativ normal sein – hoffentlich auch, wenn arbeitende Menschen für behinderte Menschen arbeiten.

Am 2.2.2020 gibt es „Dauert Assistenz durch Kinder länger?  – Teil 1“

Vorfreude ist die enttäuschte Freude

Es war im Dezember 2019.

Ich, Jasmin, beschloss im Dezember 2019, Mehlspeise zu machen – wie alle anderen auch.

Die Zutaten dafür kaufte ich im Geschäft – mit Assistenz – wie der Grroßteil der anderen nicht.

Als wir zu Hause waren, machte ich mit der Assistentin aus, dass sie am Nachmittag nochmals kommt.

Als sie am Nachmittag kam, fragte sie freutig, ob wir denn Kekse backen. Als ich das verneinte, artikulierte sie ihre Enttäuschung sehr barrierefrei – also gut hörbar.

Warum DAS hier steht?

Wenn man Abwechslung mag, die nicht durch einem selbst kommt, ist Assistenz ein guter Job.

Am 26.1.2020 gibt es „Inklusion kapieren, Assistenz ignorieren“

Danke, Elisha!

Leider hatten wir (bisher) nicht die Möglichkeit, uns persönlich kennenzulernen.  Dies, obwohl ich vermutlich öfter, ja mehrmals täglich, an dich denke – du an mich vermutlich nie.

Irgendwie auch klar, schließlich steige ich durch dich mehrmals täglich auf, falle, eh fahre, durch dich, jedoch mehrmals täglich auch wieder.

Dennoch: Da mir dies im September und Oktober 2019 mehrere Wochen nicht mehr möglich war, denke ich umso mehr an dich. Durch diese Unmöglichkeit musste ich Schritt für Schritt die Stiegen hochsteigen, aber auch wieder hinabsteigen.

Mein Unterstützungsbedarf durch Assistenz wurde noch flexibler und mehr: Ein schlafendes Kind trägt sich mit einer Hand die Stiege hoch oder runter nicht gut, die Mineralwasserkiste ebenso wenig.

Aber, lieber Elisha, du hast nicht nur Freunde: Es gibt PolitikerInnen in jeder Partei, die glauben, dich erst ab einer gewissen Geschossanzahl zu brauchen. Ja, ich weiß, verwunderlich. Ja, und sie bekommen für diese Dummweise, äh ich wollte sagen, Denkweise auch bezahlt.

Anyway, danke, dass du den Aufzug erfunden hast!

Dein dich allesschätzender
Jakob

Am 19.1.2020 gibt es „Vorfreude ist die enttäuschte Freude“

 

Wenn Kinder helfen (WOLLEN)

Über das Thema, ob Kinder behinderten Eltern (mehr) helfen sollen und müssen, wurde schon viel gesagt und geschrieben.

Nachfolgend zwei Situationen, in denen die Kinder von sich aus aktiv wurden, ohne Zwang, ganz von sich aus:

  • Wenn wir – Sohnemann und Jakob – zur Straßenbahn gehen, er sieht, dass unsere kommt und wir noch Zeit brauchen, legt er einen Sprint hin, um die letzte Tür offen zu halten, bis ich, Jakob, auch einsteigen kann.
  • Tochter ist – momentan – August 2019 – regelrecht erpicht darauf, Dinge, die Mama oder Papa auf den Boden fallen, zielsicher aufzuheben.

Wie gesagt, ist es, momentan, August 2019, so. Ob es so bleibt, wird sich zeigen…

Am 12.1.2020 gibt es „Danke, Elisha!“

 

Wie Regeln entstehen – ein weiteres Praxisbeispiel

Wir haben bereits berichtet, dass wir Regeln aufgestellt haben, wie wir etwas gerne (nicht) hätten, wie sich Assistentinnen in verschiedenen Situationen verhalten sollten. Weiters haben wir bereits ein Beispiel gebracht, WIE solche Regeln enntstehen.

Ein weiteres folgt nun, aus dem Bereich, warum wir es SO nicht haben möchten.

Ich, Jakob, mache mit der Assistentin etwas aus. Sohnemann macht kurze Zeit darauf exakt das Gegenteil aus.

Wessen Auftrag nun ausführen?

Diese Frage haben wir durch folgende – wörtliche – Regel beantwortet:  „Bitte KEINE Auftragsaufnahme und -ausführung von den Kindern direkt annehmen, d. h. wenn wir vorher was ausgemacht haben, wird DAS bitte ausgeführt – egal, ob die Information von den Kindern gleich ist oder sich unterscheidet. Auftragsaufnamen und -ausführungswünsche sind ausnahmslos, so mit uns nicht rückgesprochen, zu ignorieren.

Aber das ist schon hart!
Finden Sie? „Kauf mir ein  Auto“, sagt das Kind zur Assistenntin. Soll sie das tun? Wohl eher nicht. Und nein, das ist nichts Anderes, sondern klärt IMMER die Verhaltensnotwendigkeit genau in diesem Kontext ab – nothing else. Im Zusammenhang mit menschlichen Verhaltensweisen würde man vermutlich von Konsequenz sprechen: Die Kinder wissen IMMER (dadurch), was die Assistentinnen NICHT sind und tun, SELBST, wenn sie, die Kinder, das von uns Gesagte ignorieren.

Am 5.1.2020 gibt es „Wenn Kinder helfen (WOLLEN)“

 

 

Barrierefreiheit – nein danke!

So oder ähnlich dürften die Kinder gedacht haben, als sie für den Adventkalender 2019 den Verzicht auf barrierefreie Beschriftung, sprich große Zahlen, die tastbar sind, forderten.

Der Grund? Weil – Zitat – „bei den großen Nummern ist das Suchen langweilig“.

Und, unsere Reaktion: Im Sinne des Kindeswohles verzichteten wir auf Barrierefreiheit, brauchen wir die Info, wird das Assistenz kompensieren.

Am 29.12.2019 gibt es „Wie Regeln entstehen – ein weiteres Praxisbeispiel“

Mit der Assistentin spielt man nicht

Es war im September 2019: Unser ältere Sohn hatte Besuch von einem Freund.

Die beiden entdeckten die Liebe zum Spiel Bohnanza.

Da sich dieses Spiel zu zweit nicht spielt und ich, Jasmin, etwas Anderes zu tun hatte, kam der Freund auf die Idee, die Assistentin, die anwesend war, zu fragen, ob SIE mitspielt.

Daraufhin klärte der Sohn im bestimmenden Ton den Freund auf: DAFÜR ist SIE nicht da.

Also, SO schwer dürfte dann weder zu erklären sein, wofür Assistenz (nicht) ist, noch durch diese Erklärungen Zweifel zurückbleiben.

Am 22.12.2019 gibt es „Barrierefreiheit – nein danke!“