WARUM sich Assistentinnen nicht austauschen (sollten)

Uns würde nicht wundern, wenn bisher der Eindruck entstand, als würden wir autoritär führen. Soll dem so sein, GRATULATION an Ihre Beobachtungs- und Textverstehensgabe, obschon wir es als „klar“ bezeichnen würden.

WARUM wir das tun, zeigt das folgende Beispiel aus der Praxis:

Wir – Jasmin und Jakob – haben über unsere Urlaubspläne gesprochen. Soweit, so normal. Plötzlich ist uns aufgefallen, dass exakt in der Urlaubswoche, über die wir damals gesprochen haben und die es jedoch dann nicht geworden ist, kaum Dienstmöglichkeitsdaten vorhanden waren.

Was ist passiert?

Stille Post hat nicht und falsch funktioniert: Die Assistentin hat das, die damaligen Pläne, weiterkommuniziert an jene Assistentinnen, die sie kannte. Wie bereits oben geschrieben: Zu diesem Zeitpunkt falsche Daten.

Unsere Reaktion?

Folgende Regel ist entstanden: „Solltet ihr euch untereinander kennen, bitte KEINEN (mutmaßlichen) Austausch darüber, was wir (nicht) brauchen oder wollen. Sehr oft ist eure Gesamtheit nur ein Teilchen unserer Realität.  Dies betrifft v. A. terminlichen (Nicht)Bedarf, da wir diesen oft nicht einmal selbst viel im Voraus wissen.“

Lasst sie halt reden

Folgendes Experiment: Sie hören das Wort Aids. Stellen Sie sich vor, daraus wird gemacht: „Du, ich glaube, einer von den beiden hat Aids.“

Würden Sie das wollen bzw. wäre das gut?

Am 4.10.2020 gibt es „Corona – und die normalsten Dinge werden Assistenz“

Brauchen wir (oder unsere Kinder (mit uns)) Mitleid?

„Als Anteil am Leid anderer“ definiertes, behinderten Menschen oft entgegengebrachtes „Gefühl“, gerade in der Weihnachtszeit in Epidemie-ähnlicher Intensität anzutreffendes Phänomen, ist dies auch bei uns nichts Anderes: Es gibt auf der Straße, im öffentlichen Verkehr, im Taxi, im Krankenhaus und und und viele Menschen, für die wir dieses Gefühl wecken.

Das geht so weit, dass man unsere Kinder – egal, wie alt – auffordert, dass sie auf uns aufpassen mögen.

Was den Mitleidsendenden fehlt?
Der Zugang zu Art. 7. Abs. 1 B-VG: Wir leben gleich (schlecht) wie der Rest, wenn wir schlechter – behinderungsbedingt – leben, ist der Rest Schuld, weil, der Rest das nicht will.

DA bringt Mitleid oder der gleichen nichts.
Vielmehr haben wir Mitleid, dass der Zugang zur Gleichberechtigung sehr oft verschüttet ist.

Am 27.9.2020 gibt es „WARUM sich Assistentinnen nicht austauschen (sollten)“

Corona beschleunigt

Es waren die letzten Kindergartentage unseres zweiten Sohnes.

Plötzlich kamen ein paar Zettel, die auszufüllen waren – mit Informationen, Geschichten über und mit ihm.

Sehr wahrscheinlich durch  Corona die Plötzlichkeit – schließlich waren die MONATE davor  nicht sehr Plan.

Warum das hier steht? Weil es ein weiteres Beispiel

  • für generele Flexibilität ist und
  • dafür ein Beispiel ist, dass die Planbarkeit durch und zu Corona nicht nur für uns schwerer möglich ist, sondern diese Schwierigkeit von Außen auch uns betrifft.

Alternativ hätte der Sohn natürlich leere, unausgefüllte Blätter haben können.

Wenn Sie DAS für Ihr Kind wollten, bitte darum, für uns ist’s nix.

Am 20.9.20 gibt es „Brauchen wir (oder unsere Kinder (mit uns)) Mitleid?“

Sollen alle behinderten Eltern so leben wie wir?

Nein, bitte tut es nicht, ihr werdet es bereuen!;-)

Nein, im Ernst: Die Frage stellt sich eigentlich nicht, denn das würde heissen, dass „die Behinderten“ alle gleich sind.

Das hätte man zwar gerne im Gesetzes- und Begutachtungsbereich, weil es die Welt um einiges einfacher machen würde, messbar wäre und und und. Aber leider, Fehlanzeige.

Nicht nur, dass Menschen verschieden sind, sind sie zudem mit unterschiedlichen Interessen ausgestattet, haben unterschiedliche (Nicht)Fähigkeiten – mit einem Wort unterschiedliche Vorstellung von Leben(sführung).

Wenn jemand wirklich so sein würde wollen wie wir , dann

  • müsste er/sie sich sehr für Zahlen interessieren.
  • müsste er/sie seeeeehr gerne alles hinterfragen.
  • müsste er/sie seeeehr gerne recherchieren
  • müsste er/sie KindER haben (wollen).

Diese Aufzählung ist unvollständig, dennoch: Wenn eines fehlt, dann wird das Nix mit der Kopie von uns…;-) UND DAS IST AUCH GUT SO!!!

Ich kenne da behinderte Eltern, die…
Wir hören dies oft, wenn es darum geht, dass wer wen kennt, der wen kennt, der…
All diese Vergleiche haben absolut keinen Sinn und sind sehr sinnbefreit, denn Menschen sind verschieden, behindert oder nicht…

Am 13.9.2020 gibt es „Corona beschleunigt“

 

Gleiche Sprache ist unabdingbar

Schliessen Sie die Augen. Jemand sagt zu Ihnen: Soll ich das Fenster aufmachen? Sie bejahen und plötzlich hören Sie, wie jemand die Tür öffnet.

Verständlicher Weise werden Sie verwundert sein, weil Sie eine „Antwort“ auf eine nicht gestellte Frage bekommen.

So ähnlich ging es mir, Jasmin, auch, als die Assistentin sagte, ob ich vom Windeltuch spreche und mir kurz daraufhin die Mullbinde in die Hand drückte.

Auf was ich raus will? Es ist unabdingbar, dass Sie sicherstellen, mit dem blinden Menschen die selbe Sprache zu sprechen.

DAS ist viel wichtiger als Fragen, ob man blind, sehbehindert oder hypervisuell sagen darf oder soll. Warum? Weil die richtigen Wörter darüber entscheiden, ob das richtige rauskommt, denn 5+5 ist schließlich 10, nicht 9, auch nicht 11 und schon gar nicht bisschen (nicht) 10, oder?

Am 6.9.2020 gibt es „Sollen alle behinderten Eltern so leben wie wir?“

Wenn Farbe lesen verhindert

Wir haben schon berichtet, wie wir das mit den Schulbüchern handhaben.

Ein weiterer Aspekt, WARUM wir das so handhaben, kommt jetzt:

Da die Schüler – darunter auch unser Sohn – Laute und Silben(Trennungen) gerne anmalen, hat dies zur  Folge, dass ich, Jakob, möglicherweise den Text nicht mehr lesen könnte, hätte ich nicht, wie Jasmin, ebenfalls die digitale Version des Buches.

Und nein, der Sohn sollte nicht auf Farben, die ich (nicht gut) sehen kann, Rücksicht nehmen – ist SEIN Schulbuch, dass ER in DER SCHULE so gestaltet – da ist ihm hoffentlich der  behinderte Vater egal.

Am 30.8.2020 gibt es „Gleiche Sprache ist unabdingbar“.

Dürf ma…

„Dürfen wir mit den Kindern zum Spielplatz gehen?“

„Dürfen wir die Schulmittteilungen unserer Kinder lesen“

„Dürfen wir mit euch nach XY fahren?“

„Darfst du mir bei den Hausübungen helfen?“

„Darfst du mich bei XY abholen?“

Geben Sie es zu: Solche Fragen erwarten Sie höchstens als Elternteil von Ihren Kindern, wobei letzte Frage ziemlich seltsam klingt, richtig?

Sollte Sie das bejahen können, ist eines gewiss: SIE sind kein(e) Eltern(teil).

Ja, das muss man halt fragen um euren Bedarf festzustellen!
Fragen darf man eh, die Bewertung nach Schnickschnackschnuck ist ah bissi diskriminierend, wie wir bereits ausführlich berichtet haben.
Und selbst WAS man fragen darf, könnte im Sinne der Privatsphäre und Familienautonomie spannend sein.

Am 23.8.2020 gibt es „Wenn Farbe lesen verhindert“

 

Ist die Assistentin die Assistentin der Kinder? – Teil 2

Wie vergangene Woche versprochen, hier die Antwort zum Blogartikel vom vergangenen Sonntag: Nein, darfst du nicht. Du machst das selbst.

War das (zu) streng?

Gegenfrage: Sie gehen mit ihrem Kind einkaufen, bitten dann ums Verräumen. WER kann ihrem Kind dabei helfen? Richtig, sie.

Und genau so ist’s bei mir auch: DAFÜR ist die Assistentin nicht da.

Mag vielleicht kleinlich sein von mir, eine (weitere) Grenze und ihre kindliche Austestung ist nur dadurch dicht.

Für den Fall, dass das Kind die Assistentin direkt gefragt hätte, haben wir – wie bereits berichtet– eine Regel – für die Assistentin.

Am 16.8.2020 gibt es „Wenn Farbe lesen verhindert“

Ist die Assistentin die Assistentin der Kinder? – Teil 1

9.7.2020

Älterer Sohn begleitet mich, Jasmin, gemeinsam mit der Assistentin zum Milch holen – „bewaffnet“ mit einem Trolley, weil wir gleich mal mehr holen, wie Jakob bereits berichtete.

Soweit. So immer.

Wir kommen nach Hause und ich bitte Sohnemann, die Milch gleich ins Gefrierfach zu verstauen, was folgenden Dialog zwischen mir und Sohnemann zur Folge hatte:

Sohn: Darf ich die Assistentin zum Helfen bitten?

Meine Antwort: ???

Und anstelle der ??? hätte ich jetzt gerne Ihre Schätzungen, was meine Antwort war – die Auflösung gibt es am nächsten Sonntag.

Am 9.8.2020 gibt es „Ist die Assistentin die Assistentin der Kinder? – Teil 2″

 

 

Darf man uns Tipps geben?

  1. Ihr solltet (besser) nicht so viel Apfelsaft trinken“.
  2. „Ich habe gelesen, man sollte nicht zu viel Apfelsaft trinken“.
  3. „Hast schon gelesen, die Leute trinken zu viel Apfelsaft“.

 

Ist bei diesen Sätzen ähnlichen Inhalts ein Unterschied für Sie?

Dürfen wir raten:

  1. Ist bevormundend.
  2. Könnte möglicherweise – kontextabhängig – besserwisserisch rüberkommen.
  3. Ist Information.

 

Und genau dieser Unterschied  gilt für uns  und – so würden wir vermuten – für den Großteil der (behinderten) Menschen: Information gern und  gut, wenn nicht erwartet wird, dass man es dann (exakt) SO macht, 1) fällt komplett aus.

Aus der (elterlichen) Praxis heisst‘s oft:

  • Ich würde den Kindern jetzt….nicht…
  • Ist es gescheit, wenn ihr mit …. den Kindern….

 

Nein, danke für die Hilfserziehung.

Sollten Sie selbst Kinder haben, probieren Sie es an Ihnen einfach aus, wenn Sie keine Kinder haben, ist’s leichter: Schweigen.

Am 2.8.2020 gibt es „Ist die Assistentin die Assistentin der Kinder? – Teil 1“