Ich kenne eine blinde Mutter, die…

Vorwiegend ich – Jasmin – höre immer wieder von Passantinnen: „Ich kenne eine blinde Mutter. Die ist sooooo selbstständig, macht alles alleine und und und“.

Meist lässt sich dann im Gespräch – da Graz nicht so groß ist und es nicht soooo viele blinde Mütter gibt – erfragen, wer gemeint ist. Meist kenne ich dann diese blinde Mutter auch – wenn oft nur vom Hören/Sagen.

Interessant finde ich, wie von EINER blinden Mutter, auf alle geschlossen wird, in welcher Geschwindigkeit das geht – eine Geschwindigkeit, die ich als gelernte Österreicherin absolut nicht kenne.

Warum solche Aussagen immer unvollständig bis falsch sind:

  1. Ist diese besagte Mutter geburtsblind? Ja oder Nein?
  2. Lebt sie alleine oder mit einem (sehenden) Partner?
  3. Hat sie ein oder mehrere Kinder?
  4. Welcher Mensch – ja man glaubt es kaum, auch von blinden Müttern werden die Kinder als Menschen bezeichnet – ist das Kind? Welche Interessen hat es (nicht) bzw. ist es z. B. (nicht) sportlich?
  5. Was möchte ich, als Mutter, meinem/n Kind(ern) vermitteln?

Diese Liste ist garantiert unvollständig, sollte jedoch illustrieren, dass diese „Liste“ an Fragen schon zeigt, dass es DIE blinde Mutter nicht gibt, weil auch – ja auch sie sind es – diese, die blinden Mütter, verschieden sind.

Und die Väter

Diese Gruppe dürfte einerseits eher klein sein, andererseits die öffentliche Wahrnehmung (noch) nicht gut erreicht haben.

Am 30.7.2017 gibt es „Inklusive Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung beim Wäschewaschen“

 

„Wie viele Assistentinnen wohnen bei euch?“

Dabei handelt es sich um eine Frage, die nicht erfunden ist, sondern viel zu oft gestellt wird: Auf der Straße, von „Professionalisten“, von besorgten Müttern, von jedermann und jederfrau.

Die kurze Antwort: 0

Wer mit dieser Antwort nicht zufrieden ist, nachfolgende Fragen/Überlegungen – wir laden gerne ein, die Kommentarfunktion zur Diskussion zu nutzen:

  1. Glauben Sie, unseren Alltag gut verstanden zu haben, wenn sie sich diese Frage stellen?
  2. Welche (genauen) Tätigkeiten macht ihrer Meinung nach die Assistentin, die es erfordert in unserem Fall, dass sie bei uns wohnen müssten?
  3. Verwechseln Sie vielleicht diese Denkweise mit 24-Stunden-Pflege?

PS: Am 23.7.2017 gibt es „Ich kenne eine blinde Mutter, die…“

 

Assistenz ist nix fürs Telefon

Oder: Wie weit ist das Konzept der Persönlichen Assistenz in der inklusiven Realität shon angekommen?

Es war der 19.1.2017. Ich, Jakob, habe mir vorgenommen, ein Leihauto zu reservieren, weil wir (als Familie) beschlossen, einen Verwandtschaftsbesuch zu machen.

So weit, so normal und – so denken wir – üblich.

Mitnichten!

Als ich dies telefonisch erledigen wollte und erwähnte, dass der Vertragspartner zwar ich, ich jedoch nicht der Fahrer bin, war’s vorbei mit Inklusion, DENN ein Mieter ist entweder Fahrer oder nicht. Punkt.

Soweit die telefonische Auskunft.

Da ich jedoch schon einmal (bei diesem Unternehmen) Vertragspartner, jedoch nicht Fahrer war, versuchte ich mein Glück durch mein persönliches Erscheinen vor Ort.

Und, siehe da: Auf einmal durfte ich quasi alles: Vertragspartner und Zahler sein. Fairerweise muss dazu erwähnt werden, dass es vielleicht einleuchtend war, als ich der Dame erklärte, durch mein Nicht-Sehvermögen nicht einmal dafür garantieren zu können, das Gelände unfallfrei zu verlassen.

Die Moral der Gschichte
Was am Telefon nicht verstanden wurde, nämlich, dass ich zwar bezahlen kann und will, jedoch nicht fahren kann und will, war vor Ort durch Kommunikation möglich.

Merke: Oft braucht Inklusion direkte Kommunikation.

Am 16.7.2017 gibt es „Wie viele Assistentinnen wohnen bei euch?“

 

Kurze Sätze und ihr falscher Inhalt

„Für Kinder ist Assistenz nicht zu verwenden“ – dieser grammatikalisch garantiert richtige Satz zeigt leider, einerseits falsche Bilder, andererseits die Unlust am gleichberechtigtem Denken.

Warum?

„Für Kinder ist Assistenz nicht zu verwenden“ heißt sprachlich: Assistenz darf nicht verwendet werden, um ANSTELLE DER ELTERN etwas (mit den Kindern) zu tun. Das ist klar und garantiert richtig, in Verbindung mit Assistenz für behinderte Eltern.
Allerdings zeigt es das erschreckende Bild, das man sich hier ausdenkt, denn nachfragen, wofür sie, die Assistenz gebraucht wird, wäre dann doch zu sehr auf gleicher Augenhöhe mit dem Antragsteller. Stattdessen nimmt man an: Behinderte Eltern brauchen Assistenz, um IHRE AUFGABE zu ERSETZEN. Und einen solchen Antrag könnte naturgemäß nicht im Sinne der Behindertenhilfe statt gegeben werden.

Also muss es korrekt heissen, sowohl für Antragsteller und Behörde: Assistenz für die Versorgung und Pflege der Kinder, um mit ihnen…

Anstelle der … muss nun folgen, was Eltern für Ziele etc. mit IHREN KINDERN HABEN, wofür sie Assistenz brauchen.
Die Bewertung, ob dies „behindertenhilfetauglich“ ist oder nicht, wird man sehr behutsam sich anschauen müssen.

Fazit

„Für Kinder ist Assistenz nicht zu verwenden“ ist schlicht ein falsches Bild, wodurch auch der Inhalt falsch wird. Schließlich würde eine Formulierung „Assistenz für das WC“ auch nicht das Bild hervorwerfen, dass man jemand braucht, der anstelle von einem selbst aufs WC geht, oder?

Am 9.7.2017 gibt es „Assistenz ist nix fürs Telefon“.

 

 

 

Wenn Fahnen Fragen aufwerfen

Es war der 28.4.2017.

Ich, Jakob, ging mit älterem Sohnemann in den Kindergarten.

Plötzlich bleibt er, der Sohn, stehen und schreit: Schau Papa, die Busse haben alle Fahnen!

Bitte was haben sie, die Busse?

Wäre nicht der Sohn, wenn er das Warum nicht wissen wollen würde….;-)

Nuuuuun, nachdem ich bislang nicht einmal wusste, dass die Busse Fahnen haben, war das Warum umso schwerer.

Ich versprach Sohnemann, dies in Erfahrung zu bringen und ihm das dann zu sagen.

Dreimal dürfen Sie raten, was die erste Frage beim Abholen vom Kindergarten war…?;-) Papa wusste inzwischen die Antwort natürlich…;-)

Die Moral der Geschichte?
Würde ich normalsichtig sein, wären mir diese Fahnen schon längst aufgefallen – nach 17 Jahren in Graz ist die Chance dafür zumindest sehr groß…;-)

Weiters zeigt diese Geschichte, dass die „Outdoor-Informationsgeduld“ unserer Kinder größer sein muss. Sie wissen jedoch, dass es immer eine Lösung oder Antwort gibt, wenn auch ein bisschen zeitverzögert.

Diskriminierend unseren Kindern gegenüber und daher für uns kein Thema wäre, es hinzunehmen, dass „unser Anderssein“ halt auch Informations-Deprivation bedeuten würde.

Am 2.7.2017 gibt es „Kurze Sätze und ihr falscher Inhalt“

Von Punkt zu Punkt vom Fledermaus- zum Flughund

Graz, Mai 2017

Ein Kind entdeckt für sich die so genannten Punkt-zu-Punkt-Bücher. Normal? Skandal? Egal? Banal?

Machen Sie sich selbst eine Meinung darüber, VOR DEM HINTERGRUND, dass die Mutter blind, der Vater stark sehbehindert ist.

Geht das? Eine sehr persönliche, ABER, so würde ich meinen, berechtigte Frage, VOR DEM Hintergrund, ob denn durch ein mögliches Nicht-Möglichsein, ja die Kinder einen Nachteil in deren ENTWICKLUNG hätten. Wir, von NichtNeugerigÖsterreich (NNÖ) haben nachgefragt:

NNÖ: Wir haben gehört, ihr Sohn liebt momentan Punkt-zu-Punkt-Bücher.

Eltern: Ja.

NNÖ: Haben Sie Angst?

Eltern: Vor?

NNÖ: Nun ich mein, ich stell‘ mir vor, dass sie einerseits die Zahlen ja nicht sehen, andererseits der Sohn sicher wissen will, welche Figuren das sind?

Eltern: Figuren will er selbstverständlich wissen. Da es sich um altersgerechte Bücher handelt, kennt er 99% der Figuren selbst. Die Zahlen kennt er bis mindestens 100 – das variiert von Tag und Tag – selbst.

NNÖ: Und wenn er mal eine Zahl nicht findet…

Eltern: …dann sucht er danach.

NNÖ: Ja, aber ich meine.

Eltern: Wenn Sie etwas nicht finden, haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie suchen danach oder auch nicht, oder?

NNÖ: Na, ich mein nur…

Eltern: …dass sie kompliziert denken? DAS stimmt sicher.

NNÖ: Wie garantieren  Sie dem Sohn, dass er durch Punkt-zu-Punkt nicht falsche Wörter lernt?

Eltern: Indem wir ihm Abbildungen, die er möglicherweise falsch benennt, korrigierend erklären. So benannte er den Flughund vor einigen Wochen als Fledermaushund.

NNÖ: Aha? Sehen Sie wirklich schlecht oder gar nix?

Eltern: Wenn diese Frage impliziert, woher wir das wissen: Es gibt ganz was Cooles: Weltwissen. Dieses ist insofern gut, weil wir dadurch einfach einen gewissen Teil der Welt wissen und dieses Wissen von der Welt den Kindern weitergeben können. Im Übrigen ein Muss für alle Eltern, unserer Meinung nach.

NNÖ: Danke fürs Interview.

Dieses Interview erschien niergendwo, unseres Wissens gibt es auch die Zeitung nicht, trotzdem DANKE fürs Lesen UND es darf geteilt werden…;-)
Das Fragen oder Sorgen um jeden Preis, das wir hier herausarbeiten wollen, ist aber durchaus real!;-)

Am 25.6.2017 gibt es „Wenn Fahnen Fragen aufwerfen“

 

Das Kind als Einkaufsassistent – für sich selbst

Nein, es kommt jetzt keine Geschichte, dass unser fünfjähriger Sohn uns beim Einkaufen hilft.

Warum nicht? Weil man das in der Fachwelt vermutlich als Parentifizierung bezeichnen würde. Weniger fachlich: Kinderarbeit. Wer jetzt energisch den Nein-Kopf schüttelt und das als „Das muss halt in eurem Fall sein“ abtut, dem seien die UN-Kinderrechtskonvention und der Artikel in der Wikipedia zur Kinderarbeit ans Herz gelegt.

Wem das noch immer nicht reicht, würden Sie sich beim Einkaufen auf einen fünfjährigen Buben VERLASSEN?

Aber, das ist eigentlich nicht das Thema. In einem Bereich leiht der ältere unserer Söhne seeeehr gerne, meist Papa, die Augen: Wenn es um den Erwerb von Süßígkeiten geht.

Richtig, Papa ist nicht blind, trotzdem leiht er ihm die Augen. Weil Sohnemann, wie gesagt fünf, verstanden hat, das Papa es gar nicht mag, wenn das Geschäft immer anders aussieht.

Darüber hinaus weiß und sieht ER sehr gut, WO S E I N E Süßigkeiten sind. Und kein anderes Ziel hatte diese Assistenz.

Das Zahlen darf dann Papa machen…;-)

PS: Am 18.6.2017 gibt es „Von Punkt zu Punkt vom Fledermaus- zum Flughund“

 

Regenschirm spart Geld

„Bitte komme um 10:00 auf den Spielplatz“ war das erste SMS.

„PS: Vergiss bitte Regenschirm nicht“ war das zweite.

Dies waren am 19.3.2017 – ein Sonntag – die zwei SMSs, die die Assistentin bekommen hat. Ersteres war Standardprogramm: Nach dem Aufstehen, dem Frühstücken beschlossen wir, mit den beiden Buben auf den Spielplatz zu gehen.

Da das Wetter nicht sehr eindeutig war, das zweite SMS.

Dürfen Assistentinnen nicht einmal entscheiden, ob sie Schirm mitnehmen oder nicht?

Ein klares Nein auf diese Frage:

  1. Wissen wir NIE und NICHT, ob sie den gleichen Gedankengang haben.
  2. Wenn es regnet, sie keinen Schirm (mit)haben, schauen sie mit uns gemeinsam bezahlt beim Regnen zu. Das muss wirklich nicht sein, oder?
  3. Würde zurückkommen, dass sie einen derartigen nicht haben, würden wir einen beistellen, um 2) zu vermeiden.

Alles nach dem Motto: Klare Regeln, trockene Assistentinnen.

Am 11.6.2017 kommt „Das Kind als Einkaufsassistent – für sich selbst“

Nicht jeder Schuh‘ passt immer

Es war am 1. Mai 2017.

Ich, Jakob, durfte diesen Tag, den Tag der Arbeit, ganz von einer besonderen Seite kennen lernen.

Ich beschloss, mit dem jüngsten unserer Söhne jemand zu besuchen. Wir zogen uns an – bis auf die Schuhe.

Denn ich wollte ihm die seinigen Schuhe – mit Klettverschluss – anziehen. Wie gesagt, wollte ich…;-)

Er hingegen wollte andere – Schnürschuhe.

Mit einer Hand zu schnüren? Ja, klar, geht – mit einer speziellen Bindetechnik. Blöd nur, dass meine Lebensgefährtin und der große andere Rest diese, die Einhandmethode, nicht kann und auch nicht braucht.

Wir einigten uns schließlich darauf, dass er VORÜBERGEHEND die Kletter anzog, bis die Assistentin mit dem Auto kommt und sie ihm dann die „richtigen Schuhe“ anzog.

Und wo war die Lebensgefährtin?
Mit den beiden anderen Kindern unterwegs…Und nein, sie hätte ihm die Schuhe auch nicht im Voraus anziehen können, schließlich gingen sie gut eine Stunde vorher außer Haus.

PS: Am 4.6.2017 gibt es „Regenschirm spart Geld“

 

Blindheit sorgt für Bewegung

Der kleinere unserer Buben liebt Joghurt. Manchmal.

Er liebt Erdbeerjoghurt. Manchmal.

Er liebt Vanillejoghurt. Manchmal.

Hat er einen Joghurt-Tag, ist es sehr möglich, dass dies für Bewegung für mich, Jasmin sorgt. Nämlich zwischen Kühlschrank und Küchentisch.

Wie? Er will einen Erdbeerjoghurt. Ich bringe ihm einen, um dann umgehend und lautstark das Feedback zu bekommen, dass es kein Erdbeerjoghurt ist. Dann gehe ich, gemeinsam mit Joghurt, zum Kühlschrank, hole einen weiteren, solange, bis es freudig heißt. ERDBEERJOGHURT.

Nein, da hilft die Technik mit QR-Code udgl. wenig bis gar nicht. Einerseits, weil ich mit meinem IPhone nicht immer unterwegs bin, andererseits ich mir auch nicht merken kann, welcher Joghurt genau wo steht. Ich bin zwar intelligent, aber das ist sogar für mich zu viel…;-)

PS: Am 28.6.2017 gibt’s „Nicht jeder Schuh‘ passt immer“